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Obama startet Weboffensive zu Kairo-Rede

06.06.2009 | 15:41 Uhr |

US-Präsident Barack Obama wollte auf seinem Kurzbesuch in Kairo in der vergangenen Woche vor allem für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Staaten des Nahen Ostens werben. Bei seinem ersten offiziellen Besuch in Ägypten ist er unter anderem mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak zusammengetroffen.

Im Zentrum des öffentlichen Interesses steht allerdings vor allem seine mit Spannung erwartete Grundsatzrede, die Obama gegen Mittag an der Universität von Kairo gehalten hat. Mit ihr will der US-Präsident einen Neuanfang der angeschlagenen Beziehung zwischen den USA und den Ländern der islamischen Welt ermöglichen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, hat die Obama-Regierung gleichzeitig auch im Internet eine Reihe von Aktionen gestartet, die Gesprächsbereitschaft mit der islamischen Welt signalisieren sollen.

"Im Geiste der Verbundenheit haben wir das internationale Publikum dazu eingeladen, ihre Kommentare in Form von Textnachrichten an uns zu schicken", heißt es in einem Statement auf der Webseite der US-Regierung . Zudem können sich Interessierte auf der Seite für einen News-Service registrieren, der sie mit den wichtigsten Textauszügen der Obama-Rede versorgt. Das Besondere daran: Beide Dienste sind ausdrücklich für Nicht-US-Bürger gedacht. So wird das Registrierungsformular für den News-Service etwa neben Englisch auch in Arabisch, Persisch oder der pakistanischen Nationalsprache Urdu angeboten. Auch auf dem Social-Community-Portal Facebook, das geschätzte 20 Mio. Mitglieder in der arabisch-stämmigen Welt hat, sind spezielle Diskussionsgruppen eingerichtet worden, die sich mit dem Verhältnis zwischen dem Westen und dem Islam auseinandersetzen. Um möglichst vielen Menschen einen Zugang zu der Rede zu ermöglichen, stellte das Weiße Haus weiters einen Live-Webcast auf seiner Internetseite zur Verfügung. Die Rede selbst wurde in 13 Sprachen übersetzt und in Auszügen auf MySpace , Twitter und Facebook veröffentlicht.

"Dem Internet kommt mittlerweile eine zentrale Bedeutung bei der politischen Kommunikation zu. Obama sticht in dieser Hinsicht deutlich hervor. Dass er mit den neuen Medien besonders gut umgehen kann, hat er nicht nur während seines Wahlkampfes, sondern auch in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft bewiesen", stellt Florian Perlot, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Strategieanalysen ( ISA ) in Wien, im Gespräch mit pressetext fest. Der US-Präsident habe es durch konsequente Arbeit im Web geschafft, eine breite Unterstützung in der Bevölkerung aufzubauen. "Dieses Vorgehen hat sicherlich Vorbildwirkung für Europa", meint Perlot.

Obama hatte bereits im Vorfeld seiner Nahost-Reise eingeräumt, dass es zwischen den USA und der islamischen Welt zuletzt "einige große Missverständnisse" gegebenen habe. In seiner Rede in Kairo sprach sich der US-Präsident deshalb für einen Neuanfang der gegenseitigen Beziehungen aus, berief sich auf die Grundwerte demokratischer Gesellschaften und erteilte dem Extremismus im Namen des Islam eine klare Abfuhr. "Wir müssen voneinander lernen, uns respektieren und unsere Gemeinsamkeiten in den Vordergrund stellen. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere gemeinsamen Interessen stärker sein werden als unsere Gegensätze", erklärte Obama und verwies dabei gleichzeitig darauf, dass sein Vater selbst Moslem gewesen sei. (pte)

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