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Labels auf Kuschelkurs mit Musikdiensten

31.05.2009 | 14:41 Uhr |

Der Paradigmenwechsel am internationalen Musikmarkt setzt sich weiter fort. Während die Branche insgesamt mit einem Umsatzrückgang zu kämpfen hat, der in erster Linie auf dem rückläufigen CD-Geschäft beruht, gewinnen digitale Angebote zunehmend an Bedeutung.

Doch trotz der steigenden Beliebtheit von Online-Musikshops legten die großen Plattenlabels in der Vergangenheit oft ein eher zögerliches Verhalten an den Tag, wenn es um vertragliche Übereinkünfte über die Nutzungsrechte des eigenen Musikkatalogs bei entsprechenden Webdiensten ging. Wie das Beispiel der Multimedia-Sharing-Plattform Imeem zeigt, beginnt sich nun aber eine Trendwende abzuzeichnen, die auf einer wesentlich moderateren Strategie der Labels basiert. So haben sowohl Universal als auch Warner Music dem Portal kürzlich Schulden in Mio.-Höhe erlassen, die sich im Laufe der Zeit über nicht ausbezahlte Lizenzabgaben angesammelt hatten und sich dazu bereit erklärt, die entsprechenden Vertragskonditionen zu lockern, um ein Weiterbestehen der Seite zu sichern.

"Neue Angebote und Zugänge zu Musik gewinnen am internationalen Musikmarkt zunehmend an Bedeutung", bestätigt Thomas Böhm, Sprecher IFPI Austria, auf Anfrage von pressetext. Der Boom am Online- und Mobile-Sektor sei die zentrale Tendenz, die derzeit die Entwicklung des Marktes bestimme. "Die enorme Dynamik am Digitalmarkt zeigt sich in etlichen Musikmärkten der Welt", merkt Böhm an. Der IFPI-Sprecher geht davon aus, dass sich dieser Trend in Zukunft noch weiter verstärken werde. "Das bedeutet aber nicht, dass physikalische Tonträger völlig an Bedeutung verlieren werden. Die CD ist mit 80 Prozent Anteil am Gesamtmarkt nach wie vor das umsatzstärkste Musikformat. Entgegen der Meinung einiger Experten, die ihr Ende schon vor Jahren prophezeit haben, bin ich davon überzeugt, dass das klassische Musikmedium CD noch viele Jahre weiter bestehen wird", so Böhm.

Für die Musikwirtschaft sei es wichtig, sich auf die veränderten Marktbedingungen einzustellen. "Die entsprechenden Geschäftsmodelle sind längst an die Gewohnheiten der Musikkonsumenten angepasst worden", betont der IFPI-Austria-Sprecher. Im Fall von Imeem, der durchaus prototypisch für derartige Webangebote ist, verdienen die Labels beispielsweise ihr Geld durch Lizenzabgaben, die für die Nutzung des zur Verfügung gestellten Musikkataloges anfallen. Wie hoch diese Gebühren angesetzt werden, hängt dabei vom Wohlwollen der Urheberrechtsinhaber ab. "Wir versuchen gerade herauszufinden, wie wir unsere Partnerschaften mit Online-Musikanbietern umstrukturieren können, um ihre Betreiber bei der Entwicklung eines gesundes Wirtschaftsumfeldes unterstützen zu können, indem sie ihre Innovationen vorantreiben", zitiert die New York Times Michael Nash, Executive Vice President Digital Strategy bei Warner Music.

Dass die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der mittlerweile sehr zahlreichen Musikdienste im Internet für die zukünftige Entwicklung der Branche von entscheidendem Interesse sein dürfte, belegen die aktuellen Umsatzzahlen. So konnte der Digitalmarkt 2008 laut IFPI insgesamt 3,7 Mrd. Dollar an Einnahmen lukrieren. Das entspricht einem Zuwachs von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nutzer haben dabei weltweit 1,4 Mio. Einzeltracks und 66 Mio. Alben aus lizenzierten Online-Shops herunter geladen, was einem Plus von 24 bzw. 36 Prozent gegenüber 2007 entspricht. (pte)

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