158184

Kinder-Webseiten überfordern ihre Zielgruppe

06.06.2009 | 14:11 Uhr |

Viele Anbieter von Jugend-Webseiten scheinen die Fähigkeiten von Kindern zu überschätzen. Alltägliche Funktionen wie Texteingabe oder Scrollen stellen gerade jüngere Nutzer vor große Herausforderungen und sind somit Nutzungsbarrieren.

Zu diesem Ergebnis kommt die gemeinsame Untersuchung "Vom virtuellen Spielplatz zum Alltagsbegleiter" der Internetagenturen Elements of Art ( EOA ) , SynthiCon und dem Beratungsunternehmen phaydon . Demnach treten selbst bei Elf- bis 13-Jährigen noch häufig Nutzungsprobleme auf, da komplexe Prozesse wie Registrierung oder Upload von Daten nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden können. Erst ab 14 Jahren sei eine zunehmende Routine im Umgang mit den Funktionen des Webs zu beobachten, heißt es im präsentierten Ergebnisbericht. "Kinder legen, was den Umgang mit dem Web betrifft, eine sehr intuitive Herangehensweise an den Tag. Je jünger die Kids, desto natürlicher versuchen sie den Computer zu bedienen und ihr Alltagswissen auf das Web zu übertragen", stellt Anne Katrin Lensch, Research Consultant bei phaydon, im Gespräch mit pressetext fest. Die Analyseergebnisse würden dabei klar zeigen, dass die Vorstellung, dass Kinder keinerlei Probleme mit den Anwendungen im Web haben, falsch sei. "Unsere Studie zeigt genau das Gegenteil. Funktionale Elemente wie Radio-Buttons oder Eingabefelder erschließen sich den jüngeren Nutzern noch nicht", betont Erik Winterberg, Geschäftsführer von Elements of Art und Vorstand von SynthiCon, gegenüber pressetext. So dürfe man etwa nicht davon ausgehen, dass ein Siebenjähriger sich problemlos online registrieren könne. "Die Fähigkeit, das alles schon zu durchschauen, entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Hier bedarf es eines Lernprozesses, der von den Webseitenbetreibern berücksichtigt werden muss", erklärt Winterberg.

Vor allem den Eltern in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zu. "Es sind zumeist die Eltern, die ihre Kinder an das Internet heranführen. Sie bestimmen neben Zeitpunkt und Dauer der Webnutzung auch die Inhalte und fungieren daher als 'Gate-Keeper', indem sie relevante und geeignete Seiten für ihre Sprösslinge festlegen", erläutert Lensch. Dieses sogenannte "Relevant Set" an Webseiten sei dabei - anders als bislang angenommen - extrem klein. So besuchen die ganz jungen Nutzer im Durchschnitt nicht mehr als zwei bis drei Seiten, während die Zwölf- bis 16-Jährigen gerade einmal fünf bis sieben Seiten regelmäßig ansteuern. "Im Laufe ihrer Entwicklung verändert sich das aber grundlegend. Wenn die Kinder einmal anfangen, das Netz stärker für die eigenen Bedürfnisse zu nutzen, verliert die Gate-Keeper-Rolle der Eltern zunehmend an Bedeutung", merkt Winterberg an.

Bei den 14- bis 16-Jährigen werde das Internet schließlich zum wichtigen Alltagsmedium, das nicht allein der Information und Unterhaltung dient, sondern ein zentrales Instrument für den sozialen Austausch mit realen und virtuellen Freunden darstellt. "Mit Zunahme der sozialen Kontakte in der Schule wächst auch die Bedeutung der Kommunikation in sozialen Communitys. In der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen ist daher ein intensiver Austausch über solche Plattformen zu beobachten", schildert Lensch. Dass jüngere Kinder mit solchen Angeboten oft überfordert seien, liege auf der Hand. "Kinder müssen erst ihre eigene Identität kennenlernen und festigen, bevor sie eine virtuelle Identität aufbauen können. Jugendliche erlernen beides parallel, indem sie an Communitys teilnehmen", so Lensch abschließend. (pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
158184