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Experiment mit Blog-Tageszeitung gescheitert

12.07.2009 | 14:11 Uhr |

In Zeiten des Zeitungssterbens begibt sich die Printbranche verstärkt auf die Suche nach alternativen Geschäftsmodellen, die das eigene Überleben in der Zukunft sichern sollen. Dass nicht alle der diesbezüglich hervorgebrachten Ideen und Experimente den gewünschten Erfolg bringen, musste kürzlich das Chicagoer Startup-Unternehmen The Printed Blog schmerzlich zur Kenntnis nehmen.

"Wir versuchen, die erste gedruckte Tageszeitung auf die Beine zu stellen, die ausschließlich aus Blog-Einträgen und anderen User-generierten Inhalten besteht", hatte Joshua Karp, Gründer und Herausgeber des Printed Blogs , noch im Januar voller Zuversicht anlässlich des Starts des innovativen Projekts erklärt. Nun musste Karp aber offiziell das Scheitern seines ambitionierten Experiments eingestehen. Als Grund nennt der Projektinitiator vor allem wirtschaftliche Ursachen, die eine Weiterführung der Blog-Zeitung unmöglich gemacht hätten. "Mit großer Trauer muss ich verkünden, dass der Printed Blog aufgrund des Fehlens von externen Investmentgeldern seine Publikation einstellen muss", schreibt Karp in einem Blog-Eintrag auf der Projekthomepage. Trotz bedeutender persönlicher Investitionen und der zusätzlichen Verwendung von sechs bis sieben Kreditkarten sei er nicht in der Lage gewesen, das Mindestmaß an Geldern für die nächste Entwicklungsstufe aufzutreiben. "Letztendlich hat uns die finanzielle Realität keine andere Wahl gelassen, als die Herausgabe sofort auf unbestimmte Zeit einzustellen", schildert Karp. Sein Ziel, eine von Grund auf neue Form eines Nachrichten-Printprodukts zu schaffen, habe er somit zwar nicht erreichen können. "Ich blicke aber dennoch optimistisch in die Zukunft und glaube, dass die nächsten paar Jahre dem Journalismus eine der aufregendsten Zeiten überhaupt bringen werden. Die Branche befindet sich an der Kippe zu einem grundlegenden Wandel", betont Karp.

"Aus unserer Sicht ist es natürlich eine spannende und erfreuliche Sache, wenn Inhalte aus dem Internet wieder zurück in gedruckte Form gebracht werden. Der Leseprozess findet dann nicht mehr ausschließlich im Web statt, sondern in einem Print-Produkt", stellt Anja Pasquay, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger , im Gespräch mit pressetext fest. Dass das Printed-Blog-Experiment nach nicht einmal einem halben Jahr für beendet erklärt worden ist, zeige aber auch, wie schwer es ist, geeignete Geschäftsmodelle für das Internetzeitalter zu finden. "Die Frage, wie sich das Web monetisieren lässt, bleibt weiterhin offen", so Pasquay. Das Scheitern des Chicagoer Startups beweise zudem, dass die Verbindung von Internet und Printbereich auch inhaltlich mit enormen Herausforderungen verbunden sei. "Wir haben es hier mit zwei völlig getrennten Leserkreisen zu tun. Die Gruppe derjenigen, die Zeitungen als Nachrichtenquelle nutzen und derer, die hierfür die Zeitungs-Websites aufrufen, weisen nur eine geringe Überschneidung auf. Beides nutzen gerade einmal zehn Prozent", erläutert Pasquay.

Angaben des Printed-Blog-Gründers zufolge hat es die neuartige Zeitung während ihres kurzen Bestehens immerhin auf 16 Ausgaben, 80.000 vertriebene Printexemplare und geschätzte 100.000 Kopien, die in digitaler Form heruntergeladen worden sind, geschafft. "Ich will an dieser Stelle nicht unsere zahllosen Errungenschaften aufzählen. Es muss genügen, wenn ich sage, dass wir mehr erreicht haben, als alle von uns erwartet haben. Mich würde es nicht überraschen, wenn sich einige unserer Ideen künftig als strategischer Teil in anderen Projekten wiederfinden würden. Insofern wird unser kurzes Bestehen sicher einen Langzeiteffekt auf die weitere Evolution des Nachrichten-Printsektors haben", ist Karp überzeugt. (pte)

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