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Buchhandel setzt auf Angebotsoffensive im Pirateriekampf

15.03.2009 | 15:29 Uhr |

Der deutsche Buchhandel will dem zunehmenden Problem der Online-Piraterie mit einer Angebotsoffensive im Internet und einer konsequenten rechtlichen Verfolgung der illegalen Nutzung elektronischer Bücher entgegentreten.

Wie die Spitzenorganisation der Branche, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels , anlässlich des Auftakts der Leipziger Buchmesse wissen ließ, sei man bereit, den neuen digitalen Herausforderungen offensiv zu begegnen. "Die Zukunftsstrategie des Buchhandels fußt auf zwei unterschiedlichen Punkten", erklärt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, im pressetext-Interview. Ersterer Bereich betreffe das E-Book-Downloadportal libreka! , auf dem derzeit bereits über 100.000 digitalisierte Bücher zur Verfügung stehen würden. "Wir haben aus den Fehlern anderer Branchen gelernt und wollen das Piraterieproblem mit einem umfassenden legalen Angebot bereits im Keim angehen", so Skipis.Der Börsenverein-Hauptgeschäftsführer geht davon aus, dass die Bedrohung durch Online-Piraterie für den Buchhandel durch die voranschreitende Marktetablierung von E-Content-Angeboten künftig noch weiter steigen wird. "Raubkopien sind eine existenzielle Bedrohung für den Buchhandel. Mit der steigenden Nachfrage nach E-Books, die sich heute schon an der Schwelle zur Marktgängigkeit befinden, wird sicherlich auch die illegal erhältliche Angebotspalette anwachsen", erläutert Skipis. Es sei allerdings ein Fehler zu glauben, dass E-Books innerhalb der Buchbranche lediglich als Bedrohung wahrgenommen werden würden. "Wir sehen in elektronischen Lesegeräten und -inhalten auch eine große Chance. E-Books könnten den Buchhandel revolutionieren wie einst die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg", räumt Skipis ein. Entsprechende Geräte würden ihre Vorteile vor allem unterwegs ausspielen und könnten somit der Branche vollkommen neue Leserschichten erschließen.

Als zweiten Kernpunkt der Zukunftsstrategie setzt der deutsche Buchhandel auf eine härtere Verfolgung von Online-Piraten. "Wir werden künftig alle rechtlichen Mittel, die uns zur Verfügung stehen, in aller Schärfe ausnutzen, um gegen die illegalen Machenschaften im Web vorzugehen", betont Skipis. Dieser Weg werde dem Buchhandel durch die derzeitige Rechtslage in Deutschland geradezu aufgezwungen. "Wir würden lieber auf ein abgestuftes Warnsystem nach französischem Vorbild setzen, das Rechteverletzer aufklärt und abschreckt, bevor es zu einer gerichtlichen Abmahnung kommt", stellt Skipis klar. Unterstützung für ein solches Verfahren erwartet der Börsenverein von der Bundesregierung. Diese sei zwar durchaus problembewusst, hätte sich bislang aber noch nicht darauf verständigen können, die Internet-Service-Provider mit einer Kooperationsaufforderung nachdrücklich zum Handeln zu bewegen.

Doch auch wenn der Buchhandel in Zukunft eine härtere Anti-Piraterie-Gangart einschlagen wolle, könne es nicht Sinn und Ziel sein, jeden einzelnen Nutzer zu verfolgen, der sich ein Buch oder dessen Inhalt illegal aus dem Netz besorgt. "Wir haben an dem einzelnen Online-Piraten kein großes Interesse, sondern wollen unsere Bemühungen in erster Linie auf die Spitze der illegalen Verbreitungspyramide konzentrieren", meint Skipis. Den Leuten müsse allerdings klar sein, dass das Stehlen von geistigem Eigentum kein "dummer Schülerstreich", sondern ein ausgewachsenes Verbrechen sei. Auf die Frage, ob das Buch auch in einigen Jahren noch weiter bestehen werde, antwortet Skipis optimistisch: "Das Prinzip Buch wird mit aller Sicherheit auch in Zukunft weiterleben. E-Books werden in den kommenden drei bis vier Jahren vermutlich nicht über einen Marktanteil von zehn Prozent hinauskommen." (pte)

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