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Internet-Branche gibt nicht auf

02.05.2001 | 14:45 Uhr |

Von der einstigen Euphorie ist in der Internet-Branche derzeit nichts mehr zu spüren. Spätestens seit Cisco Systems, Lieferant von Datennetz-Architektur und ehemals an der Börse wertvollstes Unternehmen der Welt, vor zwei Wochen die Streichung von 8500 Jobs ankündigte, lässt sich die weltweite Hightech-Krise kaum noch wegreden.

Von der einstigen Euphorie ist in der Internet-Branche derzeit nichts mehr zu spüren. Spätestens seit Cisco Systems, Lieferant von Datennetz-Architektur und ehemals an der Börse wertvollstes Unternehmen der Welt, vor zwei Wochen die Streichung von 8500 Jobs ankündigte, lässt sich die weltweite Hightech-Krise kaum noch wegreden.

Auf dem neunten Deutschen Multimedia Kongresses (DMMK), der bisher als Gipfeltreffen der deutschen Internet-Szene galt, diskutieren gegenwärtig rund 2000 Experten und Unternehmer in Stuttgart über neue Technologien und Geschäftsstrategien für das kränkelnde Medium.

Ganz negativ wollen die Kongressteilnehmer die Lage aber nicht sehen. Volker Tietgens, Aufsichtsratschef des Web-Dienstleisters Concept! AG, kann der Krise auch positive Seiten abgewinnen: "Endlich trennt sich die Spreu vom Weizen. Unausgegorene Geschäftsmodelle, die nur darauf ausgerichtet waren, das schnelle Geld zu verdienen, werden nach und nach vom Markt verschwinden." Klaus Haasis, Sprecher des DMMK-Kongressbeirats, beschwört den "Blick fürs Machbare". Aus der Konsolidierungsphase würden die Unternehmen gestärkt hervorgehen, die "ihren Kunden wirklich etwas zu bieten haben."

Die Unberechenbarkeit des neuen Mediums Internet spiegelt sich in der jüngsten Geschichte des DMMK wider. Vor zwei Jahren hatte das Schlagwort "E-Commerce" erstmals die Kongress-Rhetorik bestimmt, propagiert von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Das ursprünglich auf Kommunikation ausgerichtete Datennetz wurde zur Handelsplattform umdefiniert, bei den Messe-Ausstellern lösten Nadelstreifen die einst obligaten Turnschuhe und Jeans der ersten Internet-Jünger ab.

Inzwischen hat die Anarchie des Netzes jedoch zurückgeschlagen: Durch Projekte wie die bisher kostenlose Musikaustauschbörse Napster - gegründet von einem 18-Jährigen - musste die US-Plattenindustrie nach Medienberichten 2000 bei Single-Verkäufen Umsatzeinbußen von 46 Prozent hinnehmen.

In den Kongress-Workshops stehen in diesem Jahr unter anderen die Themen Online-Logistik und Sicherheit im Internet hoch im Kurs. Möglich ist aber auch, dass ein durchaus verräterisches Geschäftsmodell die Runde macht: Jenseits des Atlantiks ersteigern Unternehmen wie Overstock.com und Bid4assets.com die Konkursmasse von Pleite gegangenen Internet-Firmen - und kassieren beim Weiterverkauf satte Gewinne. Für die Start-Ups der nächsten Generation bietet sich so zum Beispiel die Chance, günstig an Büromöbel zu kommen. (PC-WELT, 02.05.2001, dpa/ lmd)

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