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Australien sperrt 10.000 Webseiten

16.11.2008 | 15:27 Uhr |

Die australische Regierung will die Internetprovider des Landes dazu verpflichten, ein Filtersystem für "ungeduldete Webinhalte" zu installieren.

Die zuständige Telekommunikationsbehörde Australian Communications and Media Authority ( ACMA ) hat bereits damit begonnen, eine entsprechende Blacklist zusammenzustellen, auf der alle zu blockierenden Seiten aufgelistet werden sollen. Wie die australische Tageszeitung Herald Sun berichtet, hat die Behörde bislang rund 1.300 Webadressen für die Filterliste ausgemacht. Im Rahmen eines ersten Testlaufs im Dezember, der allerdings nur eine kleine Gruppe freiwillig teilnehmender Internetnutzer betreffen wird, sollen aber bis zu 10.000 Seiten blockiert werden, lässt der australische Kommunikationsminister Stephen Conroy wissen.

"Die Durchführung dieses Pilotprojekt dient in erster Linie Testzwecken. Wir wollen damit überprüfen, ob sich die ACMA-Blacklist zur Filterung von nicht zugelassenen Inhalten in der Praxis eignet", erklärt Conroy gegenüber der Herald Sun. Betroffen seien vor allem Seiten mit kinderpornografischem und anderem ungewollten Material. "Bislang haben wir insgesamt 1.300 solcher bedenklichen Seiten ausgeforscht", schildert Conroy. Um die Auswirkungen einer weitaus umfassenderen Blacklist auf die Internetperformance zu testen, werde man im Rahmen des Testlaufs aber bis zu 10.000 Webseiten filtern. Hintergrund hierfür ist ein Versuch, den die ACMA im vergangenen Sommer durchgeführt hatte. Dieser hatte gezeigt, dass die Netzgeschwindigkeit je nach installiertem Filter um zwei bis 87 Prozent langsamer werden kann.

Während von Seiten der Regierung damit argumentiert wird, dass der Testlauf notwendig sei, um "eine Filterlösung einzuführen, die für australische Familien effizient, effektiv und einfach zu nutzen" sei, hat das Bekanntwerden der entsprechenden Pläne in der Öffentlichkeit heftige Proteste ausgelöst. Kritiker werfen der Regierung schon jetzt vor, eine "Great Wall of Australia" nach chinesischem Vorbild errichten zu wollen. "Es bleibt vollkommen unklar, mit welchen Kriterien die ACMA festlegen will, welche Webseiten auf die 10.000 URLs umfassende Liste kommen werden und welche nicht", kritisiert etwa Colin Jacobs von der nationalen Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontiers Australia . Die Regierung behaupte zwar, nur "ungewolltes und illegales Material" filtern zu wollen. "Im Endeffekt kann aber niemand genau sagen, welche Seiten auf der Blacklist landen werden", gibt Jacobs zu bedenken.

"Solche Filter-Vorstöße gegenüber den Internetprovidern gibt es immer wieder. Sowohl von Seiten der Behörden, die versuchen, kinderpornografische Inhalte im Web zu blockieren, als auch von der Film- und Musikindustrie, die dadurch die Online-Piraterie bekämpfen wollen", stellt Kurt Einzinger, Vorstandsmitglied des Verbands der österreichischen Internet Service Provider ( ISPA ) , auf Anfrage von pressetext fest. Die Verpflichtung der Provider zum Blockieren bestimmter Seiten sei aber aus mehreren Gründen abzulehnen. "Zum Einen ist der gesetzliche Hintergrund eines derartigen Vorgehens noch nicht ausreichend geklärt und zum Anderen haben wir die Erfahrung gemacht, dass solche Filtersysteme technisch noch nicht ausgereift und sehr fehleranfällig sind", fasst Einzinger zusammen. "Auch der befürchtete Geschwindigkeitsverlust des Internets durch den Einsatz von Filtern ist durchaus ein Problem. Wie stark sich dieser bemerkbar macht, hängt aber von der spezifischen Art der verwendeten Filtertechnik ab", so Einzinger abschließend.

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