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TV-Serien durch Webkritik beeinflusst

18.11.2008 | 11:55 Uhr |

Zunehmend mehr Fans versuchen die Inhalte ihrer Lieblingsserien durch Blogs und Forumsbeiträge im Internet zu beeinflussen. Fernsehmacher stellt das vor völlig neue Herausforderungen.

Das Web bietet den Zusehern heute die Möglichkeit, Fernsehserien und Filme auf verschiedensten Plattformen bis ins Detail zu diskutieren, zu kritisieren und Wünsche zum weiteren Verlauf von Handlungssträngen kund zu tun. Online-Debatten über aktuelle Serienhits sind zur Regel geworden und finden daher bei Produzenten und Autoren mittlerweile auch Gehör. Ein Beispiel dafür liefert die US- Erfolgsserie Heroes . Nachdem die Fans einige Charaktere und Handlungsverläufe in der zweiten Staffel scharf kritisiert und dagegen protestiert hatten, reagierte Heroes-Schöpfer Tim Kring und versprach für die dritte Staffel einige Änderungen. "Wir haben Fehler gemacht. Wir haben die Beschwerden gehört und werden darauf reagieren", sagte Kring im Juli im Zuge der diesjährigen Comic-Con, wo die aktuelle dritte Staffel von Heroes erstmals vorgestellt wurde.

Kring ist nicht der einzige, der auf die Wünsche der Fans reagiert hat. Auch deutsche Serien orientieren sich mitunter an den Zuschauern. "Die Meinungen unserer Zuschauer sind uns sehr wichtig, sodass wir uns immer freuen, wenn jegliche Form von Kritik oder Lob an uns weitergegeben wird. Natürlich muss man darauf achten, dass die Vorschläge auch ins Serienkonzept passen, aber generell ist der interaktive Zuschauer zu begrüßen", meint Rainer Wemcken, Geschäftsführer der Produktionsfirma Grundy UFA . In Zukunft werde Interaktivität und ganz konkret die Verknüpfung von TV- und Webinhalten eine immer größere Rolle spielen. "Es stimmt, dass eine große Zahl von Leuten in der TV-Branche liest, was zu ihren Shows im Web gepostet wird und dass das Einfluss auf Inhalt und Charakterentwicklung in den Serien haben kann", sagt auch John Ramos, Drehbuchautor und Produzent aus Los Angeles, gegenüber dem Guardian. Das Internet erlaube den Fernsehsendern, unverzüglich die Reaktionen der Fans auf aktuelle Episoden zu verfolgen. Natürlich heiße das aber nicht, dass auf jede Beschwerde automatisch eingegangen werde.

Auch die Arztserie Grey's Anatomy bietet ein Beispiel dafür, wie auf Online-Kritik reagiert wird. Auch hier wurden zu Beginn der aktuell in den USA laufenden fünften Staffel einzelne Handlungsstränge schnell wieder herausgeschrieben, nachdem sie am Ende der vierten Staffel für wenig Begeisterung bei den Fans gesorgt hatten. Für die Produzenten und Autoren wird das Netz allerdings auch zum zweischneidigen Schwert. Einerseits kann das Eingehen auf Zuseherwünsche dabei helfen, die Quoten zu erhöhen. Gleichzeitig dürfe das interaktive Verhältnis zu den Fans aber nicht die Kreativität der Serienmacher beeinflussen, meint Danny Cohen, Senderchef von BBC 3.

Das Internet hat die Beziehung zwischen Zuschauern und Drehbuchautoren sowie deren Arbeitsweise verändert. "Viele Autoren neigen sicher dazu, zu denken: Ich werde das nicht schreiben, nur weil es gewünscht wird. Aber man kann die Stimmen des Publikums auch nicht komplett ignorieren", meint der TV-Autor Phil Klemmer, der unter anderem an der Serie Veronica Mars, die mittlerweile abgesetzt wurde, mitgeschrieben hat. Letztlich könne es aber nicht so weit kommen, dass die Autoren dem Diktat aus dem Internet völlig unterworfen sind, so die Sicht von Camilla Campbell, Chefredakteurin im Bereich Fernsehfilm bei dem britischen Sender Channel 4. "Ich denke nicht, dass die Fans wirklich etwas sehen wollen, das sklavisch ihren Ideen folgt", sagt Campbell. (pte)

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