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Intel: Nachfrage nach Prozessoren übertrifft Produktion

Intel kann eigenen Angaben zufolge derzeit die Nachfrage nach seinen Prozessoren nur schwer bedienen und wünscht sich mehr Flexibilität, um sich den Bedürfnissen anpassen zu können. Die Erfolge von AMD nimmt Intel gelassen.

Der weltgrößte Computerchip-Hersteller Intel hat nach eigenen Angaben weiterhin Probleme, die Nachfrage nach seinen Produkten vollständig zu befriedigen. "Wir würden uns noch mehr Flexibilität wünschen, um kurzfristig den Bedarf bedienen zu können", sagte der Geschäftsführer von Intel Deutschland, Hannes Schwaderer, der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX auf der Computermesse CeBIT. "Das beheben wir aber mit unseren neuen Fabriken. Demnächst werden wir zwei weitere Fabriken in Betrieb nehmen."

"In den letzten Jahren haben wir die Nachfrage nicht befriedigen können, da die Produktionskapazitäten nicht ausreichten", sagte Schwaderer. Intel habe sich daher für die Fertigung hochpreisiger Produkte entschieden. Ins Hintertreffen sei dabei das Niedrigpreis-Segment geraten. Den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch den Branchenzweiten AMD , der Intel jüngst Marktanteile abjagte, sieht der Deutschland-Chef gelassen. "Ich glaube, dass wir Wettbewerbern in einigen wesentlichen Schritten voraus sind", sagte er.

"Intel hat als einziger Produzent Prozessoren mit zwei Rechenkernen (Dual Core) für Notebooks im Angebot", betonte Schwaderer. Diese Prozessoren rechneten 70 Prozent schneller als die vorherige Generation der Centrino-Chips und verbrauchten 30 Prozent weniger Strom. "Centrino ist zudem eine Plattform - das unterscheidet uns wesentlich von Konkurrenten, die noch Einzelchips bauen", sagte der Intel-Manager.

Auch die Konkurrenz von AMDs Mikroprozessor "Opteron", der in Netzwerkrechnern (Servern) eingesetzt wird, sieht Schwaderer gelassen. "Wir werden angesichts der kurzfristigen Erfolge unseres Wettbewerbers nicht von unserer Strategie abweichen", sagte er. "Ab Mitte dieses Jahres werden wir in allen Produktbereichen Dual-Core- Angebote mit höherer Leistung und deutlich niedrigerem Stromverbrauch haben."

Auf der CeBIT stellte Intel einen Prozessor mit vier Rechenkernen (Quad Core) vor. Diese Chips sollen Ende des Jahres auf den Markt kommen. Intel hat auch Prozessoren mit noch mehr Rechenkernen in Planung. "Wir liefern uns mit AMD ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen im Server-Bereich, was die Technik betrifft", sagte Schwaderer. "In anderem Feldern wie dem Mobile-Bereich sind wir um eine Generation voraus."

Der Intel-Deutschland-Chef sieht auch einen weiteren Wettbewerbsvorteil des Branchenprimus. "Als einzige produzieren wir in der 65-Nanometer-Fertigungstechnologie", sagte Schwaderer. "Ende nächsten Jahres starten wir dann die Massenproduktion mit der 45- Nanometer-Technologie." Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter. Um mehr Transistoren auf einem Chip unterzubringen, muss man die Strukturen immer kleiner machen. Der Intel-Konzern investiere 15 Prozent seines Umsatzes in die Forschung und Entwicklung, betonte der Deutschland-Chef. Dies seien im laufenden Jahr 6,6 Milliarden US- Dollar. Zudem flößen noch 6,9 Milliarden Dollar in neue Produktionsanlagen.

AMD hatte im Schlussquartal 2005 den Umsatz um 45 Prozent auf 1,84 Milliarden Dollar gesteigert, während die Intel-Erlöse nur um sechs Prozent auf 10,2 Milliarden Dollar wuchsen. Unter anderem wegen gesunkener Marktanteile kappte der Weltmarktführer seine Umsatzprognose für das laufende Quartal stark auf 8,7 bis 9,1 Milliarden Dollar statt der ursprünglich angepeilten 9,1 bis 9,7 Milliarden Dollar.

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