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Unternehmen kapitulieren vor Gläubigern

13.11.2008 | 11:47 Uhr |

Immer mehr Firmen, die von Private-Equity-Gesellschaften übernommen wurden, ist es im Zuge der Finanzmarktkrise nicht mehr möglich, ihre Schulden fristgerecht zurückzuzahlen.

Vor allem bei Gesellschaften, die Ziel einer schuldenfinanzierten Übernahme geworden sind, steigt das Risiko pleite zu gehen drastisch an. Die von der Ratingagentur Standard & Poor's ermittelten Daten stützen diesen Trend. Allein in den vergangenen zwölf Monaten bis Ende Oktober dieses Jahres waren 38 Firmen in Europa dazu gezwungen, ihre Kreditauflagen zu brechen und Gläubiger zu vertrösten. Wie die Fachleute erhoben haben, entspricht diese Situation gegenüber 2007 einem Anstieg von 100 Prozent.

"Wenn eine Private-Equity-Gesellschaft internationale Investoren an Bord hat, sehe ich die Gefahr von Insolvenzen durchaus gegeben. In Österreich hingegen spielt der Geschäftszweig der schuldenfinanzierten Übernahmen aufgrund der geringeren Marktgröße sowie -volumina eine eher untergeordnete Rolle", unterstreicht Jürgen Marchart, Geschäftsführer der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation . Die Ängste vor einer Rezession fachen die ohnehin prekäre Situation weiter an. So weist Standard & Poor's im Zuge der Analyse von 800 europäischen Unternehmen mit nur einer geringen Bonität darauf hin, dass sich die Lage verschlimmern könnte. "Wenn Europa in eine Rezession rutscht und Beteiligungsgesellschaften nicht länger ihre Portfoliounternehmen am Leben halten, werden sich die Finanzierungsprobleme verstärken", so die Ratingagentur.

Diese Einschätzung ist nicht unbegründet. Schließlich spitzt sich die Lage für die internationale Private-Equity-Branche infolge der Kursturbulenzen an den Börsen zu. Bei einer schuldenfinanzierten Übernahme kaufen Private-Equity-Gesellschaften Unternehmen mit einem hohen Fremdkapitalanteil und bürden ihnen Schulden auf, um sie dann wieder gewinnbringend an die Börse zu bringen oder zu verkaufen. Durch die Finanzkrise ist dieses Geschäftsmodell erheblich ins Wanken geraten. Schließlich halten sich Investitionsgeber wie Banken im Zuge einer restriktiveren Kreditvergabe zurück. Hinzu kommt, dass bei vielen der von den Private-Equity-Gesellschaften gekauften Betriebe, den Leveraged Buyouts, die Insolvenzgefahr durch den weltweiten Abschwung steigt.

Grund für die zunehmenden Zahlungsschwierigkeiten ist vor allem die schlechte Gewinnlage vieler Unternehmen. So scheint die Boomzeit der zum Kaufzeitpunkt hochprofitablen Unternehmen bis auf weiteres vorbei zu sein. Einst vielversprechende Prognosen lassen sich im Zuge der Finanzkrise nicht mehr länger halten. Davon betroffen sind vor allem Unternehmen, die vom Konsum der Privatverbraucher abhängen. Standard & Poor's geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass die Ausfallrate bei Übernahmekrediten bis Mitte 2009 auf 5,8 Prozent ansteigt. (pte/jp)

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