39718

Private-Equity soll Risikoscheu der Banken ausgleichen

29.11.2007 | 09:45 Uhr |

Deutschlands Insolvenzverwalter setzen auf Privat-Equity-Investoren bei der Rettung insolventer Unternehmen.

Die Finanzierung spielt bei einer Insolvenz eine wesentliche Rolle. Die Risikoscheu der Banken, die Kredite selten an kriselnde Unternehmen vergeben, sei das Haupthindernis für eine Sanierung. Laut einer Umfrage des Euler Hermes Kreditversicherungs-AG hoffen Deutschlands Insolvenzverwalter deshalb auf Investitionen von Privat Equity Gesellschaften.

Die Mehrheit der Insolvenzverwalter würde sich ein größeres Engagement dieser Finanzinvestoren wünschen. Mit einer fundierten Finanzierung sehen sie größere Chancen, wackelnde Unternehmen nachhaltig zu sanieren. Die Realität sieht leider momentan noch anders aus. Wenn Finanzinvestoren kränkelnde Unternehmen überhaupt in Erwägung ziehen, wollen sie die Mehrheit erwerben und es durchgreifend restrukturieren. Nur 39 Prozent der Insolvenzverwalter erwarten demnach ein größeres Engagement der Investoren in Richtung Rettung der bestehenden Unternehmensstrukturen.

Das Insolvenzgeld spielt vor allem in der ersten Phase einer Insolvenz eine große Rolle. Dies bestätigen 98 Prozent der Verwalter. Laut der Umfrage sind drei Bedingungen entscheidend für eine erfolgreiche Weiterführung: Wichtige Mitarbeiter müssen dem Unternehmen erhalten werden, es müssen noch genügend Aufträge vorhanden sein und das Unternehmen muss noch am Markt aktiv sein. Als eine der größten Hürden für eine so genannte "übertragene Sanierung", also dem Verkauf an einen neuen Eigentümer, prangern 84 Prozent der Befragten den Paragraphen 613 a BGB an. Dieser fordert die Übernahme der gesamten Belegschaft durch den neuen Eigentümer.

Von den rund 30.400 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2006 waren die Mehrzahl Unternehmen mit einem Umsatz bis fünf Millionen Euro. Je kleiner das Unternehmen, desto schlechter stehen nach Meinung der Insolvenzverwalter die Chancen, dass das Unternehmen saniert werden kann. 65 Prozent glauben, dass einem Unternehmen mit weniger als 500.000 Euro Umsatz nur die Liquidierung bleibt. Kränkelnde Unternehmen mit einem Umsatz bis fünf Millionen Euro haben immerhin eine 50:50-Chance auf Sanierung. Private-Equity-Gesellschaften sind erfahrungsgemäß vor allem an Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 10 Millionen Euro interessiert.

Im Rahmen der Umfrage der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG kamen 106 führende deutsche Insolvenzberater zu Wort, die insgesamt 20.500 Unternehmensinsolvenzen bearbeiten. Sie wurden danach befragt, unter welchen Voraussetzungen Unternehmen in der Insolvenz gerettet werden können und welche Bedeutung dabei Private Equity Investoren zukommt. Ergänzt wurde die Befragung durch Stichproben unter 69 Equity-Managern, Beratern und Sanierern. Weitere Infos: www.eulerhermes.de (gn)

0 Kommentare zu diesem Artikel
39718