187668

Virtuelle Kamera verspricht neue TV-Perspektiven

17.04.2010 | 14:41 Uhr |

Das belgische Forschungsinstitut imec hat eine Videotechnologie entwickelt, die völlig neue Seher-Perspektiven bei Sport- und anderen Veranstaltungen verspricht.

Die im Rahmen der NAB Show vorgestellte "imec Virtual Camera" verarbeitet dazu die Signale mehrerer HD-IP-Kameras derart, dass die Regie dem Zuseher einen beliebigen Blickwinkel bieten kann. "Wenn man zum Beispiel ein Fußballfeld mit 20 positionsfesten IP-Kameras abdeckt, kann die virtuelle Kamera überall rund um und auch auf dem Platz positioniert werden", erklärt Bart van Poucke, imec Business Development Manager für den Bereich Smart Systems Design, gegenüber pressetext. So wird beispielsweise eine Schiedsrichter-Perspektive möglich, aber auch ein virtueller Sitz in der ersten Reihe bei einem Rockkonzert.

Ein großer Vorteil der iVC ist dem Forschungsinstitut zufolge, dass sie nicht wie andere Lösung auf eine Sportart zugeschnitten sei. Vielmehr könne sie leicht für ein breites Spektrum von Events von Ballet über Tennis und Fußball bis hin zu Rockkonzerten genutzt werden. Im Prinzip sei jede Sportart möglich, die auf einer ebenen Oberfläche ausgetragen wird. "Bei Autorennen wäre allerdings eine unrealistisch hohe Kamerazahl erforderlich", meint van Poucke.

Denn um eine Rennstrecke ausreichend gut abzudecken, währen wohl alle 100 Meter zehn Kameras erforderlich, wohingegen van Poucke zufolge 15 bis 20 Stück für eine Konzertbühne genügen. Ballsportarten bewegen sich in einem ähnlichen Bereich und das theoretische Minimum für kleine Events wären nur fünf Kameras. "Intern konstruieren wir dann eine Tiefenkarte aller Objekte und kennen in diesem Sinne ihre Position im dreidimensionalen Raum", so der imec-Mitarbeiter.

Mithilfe dieses Zugangs kann ein Regisseur dann für das TV-Bild beliebige Blickrichtungen nutzen und den Zuseher so nahe ans Geschehen bringen, wie er will. So könnte beispielsweise einer Balletttänzerin ganz genau auf die Zehen geschaut werden. Beim Fußball wiederum wird es möglich, dem Stürmer beim Torschuss quasi auf der Schulter zu sitzen oder als Seher die oft umstrittene Schiedsrichterperspektive zu erleben.

Zur diesjährigen Weltmeisterschaft in Südafrika sollten Fußballfans allerdings noch nicht auf derartige Möglichkeiten hoffen. Denn die imec Virtual Camera ist noch ein Prototyp, wenngleich sich das möglichst bald ändern soll. "Wir suchen derzeit einen Pilotkunden. Das wird uns erlauben, den Zeitpunkt des endgültigen Produktstarts genauer einzuschätzen", sagt van Poucke.

(pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
187668