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Industriespionage mit Trojanischen Pferden

30.05.2005 | 15:11 Uhr |

Renommierte Unternehmen in Israel werden mit Spyware ausspioniert, um Informationen an die Konkurrenz zu liefern.

Die Polizei in Israel ermittelt gegen mehrere private Detekteien, die bekannte israelische Unternehmen mit Trojanischen Pferden ausspioniert haben sollen. Nach israelischen Medienberichten sollen zu den beteiligten Unternehmen die Mobilfunkanbieter Cellcom und Pelephone, der SAT-TV-Anbieter YES, ein Auto-Importeur und die Telefongesellschaft Bezeq, Muttergesellschaft von YES und Pelephone, gehören.

Bezeq gibt in einer Adhoc-Mitteilung an, interne Dokumente seien in den Besitz konkurrierender Unternehmen gelangt, man sei also ebenfalls Opfer der Spione. Die Bezeq-Töchter Pelephone und DBS bestreiten die Verwicklung in illegale Praktiken bei der Informationsbeschaffung.

Die Untersuchungen kamen ins Rollen, als sich eine israelischer Autor an die Polizei wandte. Er hatte festgestellt, dass Teile seines noch nicht veröffentlichten Buches bereits im Internet zu finden waren. Er verdächtigte seinen ehemaligen Schwiegersohn. Der hatte, wie sich heraus stellte, ein Trojanisches Pferd auf dem Rechner des Schriftstellers installiert, das darauf gespeicherte Texte und Bilder verschickte.

Im Rahmen der Ermittlungen stellte sich der Täter als alter Bekannter der Polizei heraus. Er hatte sein Spionageprogramm vor einigen Jahren auch den Ermittlungsbehörden angeboten. Er war aber abgeblitzt als heraus kam, dass er seine Software auch an Kriminelle verkauft hatte. Betroffenen Unternehmen schob er sein Trojanisches Pferd auf zwei Wegen unter: Er schickte ihnen einen Datenträger mit einem Geschäftsangebot, auf dem die Software enthalten war. Ferner sandte er die Spyware auch per Mail.

Nach sechsmonatigen Ermittlungen unter dem Projektnamen "Horserace" wurden leitende Manager von Unternehmen festgenommen, an die ausspionierte Infomationen geliefert wurden. Andere Unternehmensbosse sollen bereits zuvor fluchtartig das Land verlassen haben.

Es handelt sich um den größten bislang bekannt gewordenen Fall von Industriespionage in Israel. Es muss davon ausgangen werden, dass es ähnliche Aktivitäten auch hierzulande gibt. Meist halten sich betroffene Unternehmen jedoch bedeckt, da ihr Ansehen durch Bekanntwerden solcher Fälle geschädigt werden kann.

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