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Industrie kontra P2P: Grokster gibt auf

08.11.2005 | 13:00 Uhr |

Das Internet hat eine Tauschbörse weniger: Grokster hat ab sofort den Betrieb eingestellt. Vorangegangen war ein jahrelanger Rechtsstreit mit der Musik- und Filmindustrie.

Die Musik- und Filmindustrie kann auf ihrem Feldzug gegen P2P-Börsen einen weiteren Erfolg für sich verbuchen. Nach jahrelangem Rechtsstreit haben jetzt die Macher von Grokster aufgegeben und das Angebot sowie den Vertrieb der Software mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Auf der Website von Grokster heißt es dazu lapidar:

"Der United States Supreme Court hat eindeutig erklärt, dass die Nutzung dieses Dienstes zum Tausch urheberrechtlich geschützter Inhalte illegal ist. Das Kopieren urheberrechtlich geschützter Filme und Musik-Dateien mit Hilfe unautorisierter P2P-Services ist illegal und wird von den Rechteinhabern strafrechtlich verfolgt. Es gibt legale Dienste für den Download von Filmen oder Musik. Dieser Service gehört nicht dazu."

Allerdings wollen sich die Macher nicht komplett zurückziehen, laut der Site wird an einem neuen, legalen Angebot gearbeitet.

Einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) zufolge haben die Grokster-Macher sich mit der Industrie geeinigt, neben dem Abschalten des Dienstes auch 50 Millionen US-Dollar an die RIAA zu überweisen. Darüber hinaus haben die Macher zugestimmt, eine gerichtliche Verfügung zu akzeptieren, nach der sie die Urheberrechte der Musik-Industrie nicht mehr verletzen dürfen.

Allerdings ändert das Abschalten der Website sowie den Vertriebsstopp der Software nichts daran, dass Millionen Anwender Grokster auf ihrem PC installiert haben und auch weiterhin Dateien tauschen können. Zudem dürften die Nutzer in erster Linie zu anderen Angeboten wie Bittorrent oder Edonkey abwandern. Laut dem WSJ befindet sich das Grokster-Management bereits in Gesprächen mit dem Unternehmen Mashboxx, das eine von der Industrie autorisierte Musik-Tauschbörse anbietet. Als Kaufpreis ist laut Bericht ein symbolischer Betrag in Höhe von 1 US-Dollar die Rede.

Daneben sollen laut WSJ andere, nicht namentlich genannte Tauschbörsen von der Industrie aufgefordert worden sein, Alternativen zu ihrem bisherigen Business-Modell zu finden. Und dies bis Ende November. Anderenfalls drohe den Anbietern ähnliche Verfahren wie im Fale Grokster.

Die Industrie - in Form der RIAA - jubelt ob der Einigung mit Grokster: "Es handelt sich um ein Kapitel, das erfreulich für die Musikindustrie, die Tech-Community und alle Musikfans und Konsumenten. Am Ende des Tages geht es um unsere Möglichkeit, in neue Musik zu investieren. Ein Online-Marktplatz, der von legitimierten Diensten bevölkert ist, erlaubt uns genau das", so Mitch Bainwol, Vorsitzender der RIAA.

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