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Impfgegner muss doch keine 100.000 Euro zahlen

17.02.2016 | 13:52 Uhr |

Er hatte im Internet eine Belohnung von 100.000 Euro versprochen, wenn ihm jemand Beweise für die Existenz von Maser-Viren liefert. Die Beweise kamen samt Bankverbindung.

Im Stuttgarter Oberlandesgericht dürfte ein 52 Jahre alter Impfgegner erleichtert aufgeatmet haben. Er muss die versprochenen 100.000 Euro nicht an einen Arzt zahlen. Der Mann hatte im Internet eine Belohnung von 100.000 Euro demjenigen versprochen, der ihm beweisen könne, dass es Maser-Viren wirklich gibt. Zudem wollte er wissen, wie groß und gefährlich sie sind. Er hatte die Existenz zuvor offen angezweifelt, sogar für unglaubwürdig gehalten. Vor dem Landesgericht Ravensburg ging es dann zunächst weniger glimpflich aus. Der Richter verdonnerte den Mann, seine Wettschuld dem Arzt gegenüber einzulösen. Der hatte nämlich den Aufruf des Mannes im Internet ernst genommen und bewiesen, dass es die Maser-Viren gibt. Genau genommen hatte der Arzt als Antwort sechs Fachartikel und seine Bankverbindung geschickt. Unter den Fachartikeln war der Bericht über die erste Isolation des Maser-Virus aus dem Jahr 1954. Der Arzt hatte sich zuvor schriftlich erkundet ob er das ernst meint.

Doch der Impfgegner zog weiter vor das Oberlandesgericht und bekam nun Recht. Der Richter dort begründete laut Der Tagesspiegel so: Es habe sich bei den 100.000 Euro um eine Auslobung gehandelt, nicht um eine Wettschuld. Und bei einer Auslobung könne der Auslobende die Regeln bestimmen. Also auch, welchen Beleg der Arzt bringen muss, um die Anforderungen zu erfüllen. Weil die Artikel des Arztes nicht Existenz und Größe und Gefahr belegt hätten, sei der Impfgegner nicht zufrieden damit und nicht bereit, die 100.000 Euro zu zahlen. Der Richter betonte, dass sein Urteil nichts mit der Existenz von Masern zu tun hätte. Das könne die Kammer nicht beurteilen.

Der Impfgegner feiert das Urteil dennoch und wird vom Tagesspiegel zitiert: "Es gibt keine krankmachenden Viren". Er räumte ein, dass er mit seiner Meinung zur Minderheit gehöre - aber Einstein sei mit seiner Gravitationstheorie auch in der Minderheit gewesen. Sagt der Impfgegner.

Für Empörung sorgte übrigens bei Impfgegnern auch ein Posting von Mark Zuckerberg

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