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IT-Riese sucht nach Bilanzskandal Käufer

20.01.2009 | 08:45 Uhr |

Das von einem Bilanzskandal gebeutelte indische IT-Unternehmen Satyam ist auf der Suche nach einem Käufer. Wie die indische Zeitung "Economic Times" berichtet, versucht die neue Führung der Software-Schmiede über Investmentbanken die Möglichkeiten eines Verkaufs auszuloten.

Im Gespräch als mögliche Institute sind Goldman Sachs, JP Morgan und Deutsche Bank. Noch in dieser Woche soll entschieden werden, welche Investmenthäuser damit beauftragt werden, einen Käufer zu suchen. Zudem hat das von der indischen Regierung ernannte Management entschieden, sich direkt an die großen Satyam-Kunden wie General Electric, American Express und Citigroup in Übersee zu wenden, um Bedenken angesichts des Bilanzskandals auszuräumen.

In Indien wird nun ein nachhaltiger Imageschaden in der IT-Branche befürchtet. "Die Vorgänge bei Satyam sind ein Schandfleck für das Image unserer Wirtschaft", erklärte Ministerpräsident Manmohan Singh. Der Betrugsfall hat in jedem Fall eine große Unsicherheit bei Investoren sowie Belegschaft aber auch bei Lieferanten und Kunden ausgelöst. Das neue sechsköpfige Management will sich laut der indischen Zeitung auch um die eigenen Mitarbeiter kümmern und möglichst rasch Stabilität innerhalb des Unternehmens herstellen.

Der Bilanzskandal ist am 7. Januar aufgeflogen. Firmengründer Ramlinga Raju hatte in einer Mitteilung an seine Vorstandskollegen zugegeben, dass er die Bilanzen jahrelang gefälscht habe. Mithilfe von erfundenen Geschäften blähte Raju die Bilanz auf und täuschte somit einen überhöhten Umsatz sowie Gewinn vor. Nach den bisherigen Erkenntnissen waren die Bilanzen um eine Mrd. Dollar zu hoch ausgewiesen. Aufgeflogen ist Raju schließlich durch eine geplatzte Firmenübernahme. Die Aktienkurse brachen daraufhin ein und der Wert des Unternehmens schrumpfte von sieben Mrd. Dollar auf 330 Mio. Dollar. Satyam ist auf Unternehmenssoftware spezialisiert und galt bislang als Aushängeschild der indischen IT-Branche. Zu den Kunden zählen viele Großkonzerne aus den Industriestaaten, für die Satyam die Verwaltungsarbeit übernommen hat.

Als Konsequenz aus dem "indischen Fall Enron", wie Finanzexperten den Betrugsfall bereits bezeichnen, wurde vonseiten der Regierung ein Management eingesetzt, das sich nun um die Zukunft des Unternehmens kümmern soll. Unangenehme Begleiterscheinungen könnte der Satyam-Fall auch für den Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) haben. Das Unternehmen muss nun erklären, warum der Betrug nicht früher aufgeflogen ist. Mittlerweile besteht nach anfänglicher Skepsis allerdings wieder die begründete Hoffnung, dass Satyam sich aus eigener Kraft aus der Krise ziehen kann. Voraussetzung dafür ist, dass Außenstände rasch eingetrieben werden können, sagen Insider. Ansonsten könnte es sein, dass die indische Regierung mit einer Finanzspritze eingreifen müsste. (pte)

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