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Im deutschen Mobilfunkmarkt bröckeln die Preise

Nach monatelanger Stagnation sind die Mobilfunkpreise in Deutschland ins Rutschen gekommen.

Nach monatelanger Stagnation sind die Mobilfunkpreise in Deutschland ins Rutschen gekommen: Antreiber ist die Düsseldorfer E-Plus , die mit Billigmarken den Preiskampf in Deutschland anheizt. Am Donnerstag startete E-Plus-Chef Uwe Bergheim mit einem neuen Pauschaltarif den Angriff auf das Festnetz und attackierte damit die Deutsche Telekom in ihrem Kerngeschäft. Nach zwei schwachen Quartalen reagierte auch Branchenprimus T-Mobile mit dem Start eines eigenen Billigtarifs ( wir berichteten ).

T-Mobile-Chef Rene Obermann und Bergheim waren wegen der verhaltenen Kundenentwicklung intern in die Kritik geraten und mussten daher in die Offensive gehen: T-Mobile drohte die Marktführerschaft an seinen Wettbewerber Vodafone zu verlieren. E- Plus rückte der kleinste Anbieter O2 dank der erfolgreichen Kooperation mit dem Kaffeeröster Tchibo immer dichter auf die Pelle. Bergheim zog die Notbremse und kopierte das erfolgreiche Modell der Konzernmutter KPN in Belgien. Mit spezielle auf Kundengruppen zugeschnittene Marken geht KPN dort erfolgreich auf Kundenfang.

Vor zwei Monaten brachte E-Plus seine Zweitmarke Simyo auf den Markt. Der Clou: Eine einfacher Tarif mit einem Minutenpreis von 19 Cent, der damit deutlich unter dem durchschnittlichen Niveau liegt. Damit traf das Unternehmen die Bedürfnisse der Kunden - mit einer Nutzerzahl von deutlich über 100.000 liegt der Zuspruch deutlich über den Erwartungen von E-Plus. Am Donnerstag legte E-Plus mit dem Start von Base nach. Für eine monatliche Pauschale von 25 Euro können die Base-Kunden umsonst in das Festnetz und E-Plus-intern telefonieren.

Doch damit ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Experten erwarten einen weiteren Preisverfall: Es gebe eine neue Dynamik im Preiskampf, sagt Martin Gutberlet vom Marktforschungsinstitut Gartner. "Wir hatten in Deutschland für Jahre ein sehr stabiles und ähnliches Preisgefüge der Anbieter. E-Plus hat diese Situation mit dem Angebot von Simyo geändert." Gutberlet erwartet innerhalb der kommenden zwölf Monate eine Halbierung der Minutenpreise auf zehn Cent. Letztendlich werden die Anbieter aber Bündelpakete im Programm haben, mit denen die Kunden zu einem festen Preis unbegrenzt in alle Netze telefonieren können.

Dem Preisdruck kann sich auch die Telekom-Tochter T-Mobile nicht entziehen. "Die Tarife werden einfacher und günstiger", hatte Vorstandschef Obermann kürzlich angekündigt. Die Bonner wollen das Vorpreschen von E-Plus mit einer eigenen über das Internet vertriebenen Billigmarke kontern. Die Minute innerhalb des T-Mobile-Netzes soll 15 Cent kosten, in andere Netze 30 Cent. Nach dem schwachen Kundenzuspruch in den ersten drei Monaten 2005 musste Obermann reagieren. Mit zusätzlichen Mitteln für Werbung und Kundengewinnung schaffte er im zweiten Quartal die Wende und gewann mit über 400.000 Kunden mehr als in den vergangenen acht Quartalen zuvor. Ein Experte wertete das gute Abschneiden als "Befreiungsschlag" für Obermann, da er intern massiv in die Kritik der Konzernführung geraten sein soll.

Zurücklehnen können sich die Verfolger Vodafone und O2. Die beiden punkten mit ihren Festnetzangeboten: Damit haben sich die Unternehmen gut positioniert, sagt Marktforscher Gutberlet. Vodafone profitiere auch von seinem UMTS-Angebot, mit dem die Gesellschaft mit über einer halben Millionen Kunden Marktführer in Deutschland ist. "Vodafone konzentriert sich auf den Angriff auf das Festnetz mit zu Hause und der Vermarktung von UMTS-Bündelangeboten, um so der Preisspirale zu entkommen." Die Strategie von O2 und Vodafone geht auf: Die beiden Anbieter konnten sich in den vergangenen Quartalen über einen ungebrochenen Kundenzuspruch freuen.

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