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220.000-Dollar-Urteil erleichtert RIAA weitere Verfahren

08.10.2007 | 15:15 Uhr |

Das Urteil in den USA, nach dem eine Hausfrau über 220.000 Dollar Schadenersatz zahlen soll, weil sie 24 Musiktitel per P2P-Börse angeboten hatte, wird es der RIAA erleichtern, ähnlich gelagerte Fälle schnell abzuschließen - so die Meinung einiger Rechtsexperten.

Man kann schon fast sagen, dass an der betroffenen US-Bürgerin ein Exempel statuiert wurde. Über 220.000 Dollar Schadenersatz soll diese nach einem aktuellen Urteil dafür bezahlen, dass sie 24 Musiktitel über eine P2P-Börse zum Tausch angeboten hat. Die zwölfköpfige Jury blieb dabei allerdings weit unter dem Maximalbetrag, der bei über drei Millionen Dollar gelegen wäre.

Damit kam der erste Filesharing-Prozess in den USA vor einer Jury zum Abschluss, nach Ansicht diverser Rechtsexperten dürfte die RIAA diesen Erfolg nun nutzen, um ähnliche Verfahren zügig abzuschließen. Die Hoffnung dabei: Lieber schließen die betroffenen Anwender einen Vergleich und zahlen eine relativ niedrige Strafe, als dass sie es auf einen Prozess ankommen lassen, der - wie der Fall in Minnesota gezeigt hat - böse ins Auge gehen kann.

Der Fall werde mit ziemlicher Sicherheit "von der RIAA als Banner" für seine Kampagne gegen illegale Filesharer ins Felde führen, so der Anwalt Charles Mudd Jr., der bislang über 100 Personen in P2P-Fällen gegen die RIAA vertreten hat. Die 220.000-Dollar-Strafe liege laut Mudd weit über dem, was viele Anwender als gerechtfertigte Kompensation für den entstandenen Schaden ansehen würden.

Das Minnesota-Urteil sei allerdings nun kein Freibrief für die RIAA, so Mudd. Bei den anhängigen Verfahren müssen vielmehr immer die jeweiligen Umstände berücksichtigt werden. Viele seiner Mandanten erklärten beispielsweise, dass sie zu Unrecht des Herunter- oder Hochladens von Musiktiteln beschuldigt werden. Sollten "forensische Beweise", also etwa IP-Adressen oder ähnliches, dies bestätigen, sei es relativ einfach, die RIAA dazu zu bewegen, die Klage zurückzuziehen.

Anders sei die Lage aber in den Fällen, bei denen nahe liegt oder sicher gestellt ist, dass die Beklagten tatsächlich illegal urheberrechtlich geschützte Inhalte online angeboten haben. Dann könnte es künftig billiger kommen, sich außergerichtlich mit dem Verband zu einigen. "Ich gehe nicht mit den RIAA-Taktiken konform, auch nicht mit der Größenordnung der Vergleichssummen", so Mudd. "Aber 4000 Dollar für einen Vergleich zu zahlen ist sicherlich besser, als das, was in Minnesota passiert ist."

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