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Illegal: Porno-Napster gestartet

01.12.2000 | 16:16 Uhr |

Ein schwedisches Unternehmen hat dem guten Geschmack den Kampf angesagt und verwendet das Napster-Prinzip, um eine Art Tauschbörse für Pornos anzubieten. Nach dem Start am Donnerstag war der Andrang der Sex-Fans derart groß, dass die Betreiber keine neuen Registrierungen mehr annehmen.

Ein schwedisches Unternehmen hat dem guten Geschmack den Kampf angesagt und verwendet das Napster-Prinzip, um eine Art Tauschbörse für Pornos anzubieten. Nach dem Start am Donnerstag war der Andrang der Sex-Fans derart groß, dass die Betreiber Neu-Registrierungen nicht mehr annehmen können.

Wie auch Napster nutzt Leechnet ein Peer-to-Peer-Netzwerk (siehe Glossar), das die Tauschwilligen direkt miteinander verbindet. Anders als bei Napster werden hier aber nicht MP3-Dateien getauscht, sondern Porno-Inhalte.

"Betreten Sie die Welt von Leechnet und tauschen Sie Pornos aus", ruft die Webseite die Internet-Surfer auf. Nach der Installation und dem Start der Software überprüft das Programm die auf dem Rechner des Anwenders befindlichen Hardcore-Dateien. Leechnet behauptet, dabei auch die "Qualität" überprüfen zu können und somit einschätzen zu können, wie "gut" der Anwender mit Tauschmaterial ausgestattet ist. Zusätzlich erhalten die Anwender die Möglichkeiten, das Material der anderen Anwender zu bewerten.

Mit dem Programm können nur Bilder ausgetauscht werden. Ein integrierter Bildbetrachter ermöglicht das direkte Anschauen der Bilder.

"Leechnet" befindet sich noch in der Beta-Test Phase und ist bisher in den Sprachen englisch, schwedisch und japanisch erhältlich. Der Betreiber der Webseite ist nach Angaben des Computer-Magazins Wired registriert auf dem Namen des Unternehmens "Nordic Research". Anfragen zu diesem Thema beantwortet das Unternehmen grundsätzlich nur per Mail.

Deutsche Nutzer kann die PC-WELT nur vor der Nutzung dieser Software warnen. Harte Pornographie ist in Deutschland verboten. Wer in den Besitz solcher Inhalte kommt, macht sich strafbar. Aber auch bei "normaler" Pornographie kann man sich in Deutschland mit so einem Programm strafbar machen. Beispielsweise dann, wenn diese Software auf einem Rechner installiert ist, auf dem Kinder unkontrolliert zugreifen können.

Die PC-WELT meint:

Da scheinen sich die Befürchtungen so manchen Kritikers von Napster zu bewahrheiten. Diese hatten schon immer gewarnt, dass die Napster-Technologie missbraucht werden könnte. "Leechnet" bricht nun ein Tabu und nutzt die Napster-Technologie auf eine Art und Weise, die nicht gutgeheißen werden kann.

Da wird ohne Abfrage des Alters ein Programm zum Herunterladen angeboten und gleichzeitig die Nutzer aufgefordert, Pornographie auszutauschen. In einer Zeit, in der das Internet wegen Kinderpornographie in die Schlagzeilen geraten ist, zeugt das Verhalten dieses Anbieters nicht gerade von Verantwortungsbewusstsein.

Dadurch, dass keine Kontrolle gegeben ist, machen sich die Anwender schneller strafbar als sie denken. Viele sicherlich unabsichtlich, weil sie die Gesetzeslage nicht genau kennen. Viele werden diese Plattform aber auch gezielt nutzen, um illegales Material zu verbreiten.

Bleibt abzuwarten, wie lange es dauern wird, bis die schwedischen Behörden einschreiten und dem Treiben ein Ende bereiten. (PC-WELT, 01.12.2000, pk)

Streit um Sex.com (PC-WELT Online, 29.11.2000)

Pornofreie Web-Zone (PC-WELT Online, 02.10.2000)

Porno-Mails: 24 Kündigungen (PC-WELT Online, 19.09.2000)

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