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Coding for Fun

11.05.2009 | 17:32 Uhr |

Buchbesprechung: Autor Gottfried Wolmeriger nimmt mit seinem Buch Coding for Fun den Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte des Programmierens.

Gottfried Wolmeringer, Coding for Fun. IT-Geschichte zum Nachprogrammieren , Galileo Computing, 573 S., 2008, Klappbroschur, mit DVD, 24,90 Euro, ISBN 978-3-8362-1116-1.

Dieses Buch ist Technikgeschichte pur und dürfte jeden PC-Besitzer interessieren, der wissen will, wie der PC und dessen Software zu dem wurde, was er heute ist. Allerdings sollte beim Leser schon eine gewisse Bereitschaft vorhanden sein, sich mit Programmierlogik und -Code auseinander zu setzen, um wirklich Nutzen aus dem knapp 570 Seiten starken Buch zu ziehen. Zudem eignet es sich nicht unbedingt als Lektüre kurz vor dem Einschlafen, weil für die meisten Beispiele einiges an Gehirnschmalz und Konzentration erforderlich ist.

Gleich zu Beginn verblüfft der Autor seine Leser. Denn er erklärt, wie jeder Mensch mit seinen zehn Fingern bis über 1000 zählen kann. Und zwar dann, wenn man binär zählt. So lernt man sozusagen zum Einstieg das binäre Rechnen, das für einen Programmierer ja nicht ganz unwichtig ist. Weiter geht es danach mit einem echten Klassiker der Informatik: Mit der Touringmaschine nämlich. Ab hier beginnt das grundsätzliche Konzept des Buches, dass nämlich der Leser alle Beispiele am eigenen PC nachstellen und nachprogrammieren kann. Ganz besonders für Websiten-Betreiber ist das nächste Kapitel spannend: Darin geht es nämlich um Captchas und deren Funktionsweise.

Danach simuliert der Leser die Funktionsweise von Großrechnern wie dem Eniac, bei dem noch Schaltkreise von Hand richtig zusammengesteckt werden mussten, wenn der Rechner ein vernünftiges Ergebnis liefern sollte. Anschließend nimmt der Autor den Leser mit ins geheimnisvolle Reich der Maschinensprache und der Assembler. Natürlich werden die Prinzipien der Assemblerprogrammierung nur in den Grundzügen vermittelt, aber das reicht völlig aus, um sich ein Bild von dieser Art der Programmierung bilden zu können und die Unterschiede zu den höheren Programmiersprachen zu verstehen.

Wer noch die C64- und DOS-Zeiten kennt, wird bei einem der nächsten Themen ins Schwelgen kommen. Darin geht es nämlich um Ascii-Zeichnungen. Bevor Wolmeringer dann aber die Geschichte der höheren Programmiersprachen chronologisch aufrollt, gibt es erst noch einen längeren Ausflug zu den Betriebssystemen, wo man auch erfährt, wie Microsoft und Apple bei der Windows-Oberfläche abgekupfert haben. Bei den Programmiersprachen versucht der Autor die Grundprinzipien der wichtigsten Klassiker und Meilensteine zu vermitteln, Algol, Pascal, C, Basic (goto lässt grüßen), Forth, Smalltalk, Lisp und Java sind nur einige der behandelten Sprachen. C++ wird allerdings nur am Rande gestreift.

Weiter geht es mit der Entwicklung der ersten Computerspiele. Spätestens hier kommt sentimentale Stimmung auf, wenn man an die ersten Spiele am C64, Atari oder Sinclair erinnert wird. Wolmeringer verfolgt die Entwicklung der Spiele aber bis in die Gegenwart, Ego-Shooter, die via Internet gespielt werden, werden also ebenfalls vorgestellt. Danach geht es weiter mit virtuellen Welten, Grafikprogrammierung und reichlich Chaostheorie um schließlich bei der künstlichen Intelligenz zu landen. Gegen Ende des Buches kommt der Autor sozusagen auf den Titel seines Werkes zurück - Coding for Fun ist nämlich ein Marketing-Begriff aus der Welt der Microsoft-Programmiersprachen, C# und Visual Basic lassen grüßen. Und so erklärt der Autor grundlegende Programmiertechniken denn auch anhand von Beispielen, die mit Visual Basic umgesetzt wurden. Nichtsdestotrotz kommen bei diesem Buch auch Linux-Freunde auf ihre Kosten.

Zu jedem Kapitel gibt es Links mit weitergehenden Informationen. Absolut lesenswert ist auch der Anhang dieses Buches, den Sie unter Umständen sogar vor dem eigentlich Buch lesen sollten. Denn darin erklärt Wolmeringer verschiedene Virtualisierungssysteme von denen Sie mindestens eines brauchen, um alle Beispiele auf Ihrem PC nachstellen zu können. Außerdem gibt der Anhang einen Crashkurs durch DOS-Befehle und durch Ubuntu Linux, erklärt, wie Sie eine ISO brennen und installieren und mit Java sowie Eclipse klar kommen. Auf der mitgelieferten DVD findet man Entwicklungstools, Software (zwangsläufig mittlerweile teilweise veraltert) und Beispiele.

Fazit: Coding for Fun ist eine rundum gelungene, anspruchsvolle, lehrreiche und Spaß machende Zeitreise durch die Geschichte der Programmierung, die durchwegs durch großen Praxisbezug glänzen kann. Eine gewisse Lust an Coding und an Programmierlogik sowie eine gewisse Experimentierfreude sollte beim Leser allerdings vorhanden sein. Das Buch fordert dem Leser durchaus einiges an Zeit und Einsatzbereitschaft ab. Dann aber kommt man voll auf seine Kosten und lernt quasi als Dreingabe etliche Techniken kennen, die man im PC-Alltags gebrauchen kann, beispielsweise Virtualisierungssoftware.

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