217864

IPv4-Adressen zu über 90 Prozent verbraucht

20.01.2010 | 10:33 Uhr |

Die Number Resource Organization (NRO), Koordinierungsstelle der fünf regionalen Internet Registries (RIRs), hat bekannt gegeben, dass weniger als zehn Prozent des IPv4-Adressvorrats noch nicht zugewiesen sind. Daher wird es dringend notwendig, dass Regierungen und Wirtschaft handeln und aktiv die Umsetzung des Nachfolgestandards IPv6 vorantreiben.

Die aktuelle Schätzung ist, dass den RIRs der Vorrat 2012 ausgehen wird, sagt NRO-Chairman Axel Pawlik.

IP-Adressen sind die Basis für die Kommunikation zwischen Geräten im Internet. "Die wenigen IPv4-Adressen werden keine ausreichenden Ressourcen darstellen, um unser aller Ambitionen auf einen globalen Internetzugang zu realisieren", betont Pawlik. Dem Nachfolgestandard IPv6 wird somit eine Schlüsselstellung bei der Infrastrukturentwicklung zukommen.

IPv6-Vorbilder

Bei der Umstellung auf IPv6 muss nicht nur die IT-Branche durch Bereitstellung geeigneter Services und Plattformen eine Führungsrolle übernehmen. "Regierungen sollten mit gutem Beispiel vorangehen", meint Pawlik. In dieser Hinsicht nennt er das Bundesministerium des Inneren (BMI) als Vorbild, das mit der Weitervergabe von Adressen aus einem großen IPv6-Block alle Ebenen der deutschen öffentlichen Verwaltung umstellen will.

"Das ist ein ambitioniertes Projekt, bei dem ich dem BMI viel Erfolg wünsche", so der NRO-Chairman. Er sei zwar skeptisch, ob das zentrale Implementierungsmodell ideal zur Nachahmung ist, doch sei es gut, dass überhaupt in Sachen IPv6 gehandelt wird. In der Wirtschaft wiederum seien IPv6-Führer oft eher kleine ISPs, die Technikbegeisterte und Early Adopter bedienen. Auch gäbe es Zuweisungen großer Adressblöcke an große Telekommunikationsunternehmen.

Längst bekanntes Problem

Insgesamt gibt es nach Ansicht der NRO aber zu wenig sichtbare IPv6-Aktivität. "Wir weisen seit Beginn des Jahrtausends darauf hin, dass IPv4-Adressen ausgehen werden. Jetzt sagen wir quasi 'Wacht endlich auf!'", meint Pawlik. Denn es sei zu befürchten, dass zu viele Unternehmen aus Bequemlichkeit weiter nur die vertrauten IPv4-Adressen beziehen. Wenn diese in etwa zwei Jahren erschöpft sind, könnte die dann zwangsweise nötige Umstellung eine gewisse Panik verursachen. Auch RICE NCC, die RIR für Europa , den Nahen Osten und Zentralasien, mahnt mit einer eigenen Website zum handeln.

Bereits im Mai 2008 hatte selbst die OECD zum Umstieg auf den Nachfolger gemahnt. Damals wurde prognostiziert, dass der Internet Assigned Numbers Authority die IPv4-Adressen zur Vergabe an RIRs 2010 ausgehen und die Vorräte der RIRs 2011 erschöpft sein werden. Ganz so schnell geht es aus aktueller Sicht zwar nicht, beide Daten werden um etwa ein Jahr nach oben revidiert. Allerdings könnte sich das bei plötzlichen Großanfragen nach Adressen schnell wieder ändern, warnt Pawlik abschließend.

(pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
217864