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Intel-Chef mit aufmunternden und kritischen Tönen

20.08.2008 | 08:49 Uhr |

Mit den Keynotes des Intel-Chefs Craig R. Barrett hat das IDF (Intel Devoloper Forum) in San Francisco seine Pforten geöffnet. Während es bei der Veranstaltung eher um künftige Entwicklungen geht, nutzte Barrett die Eröffnungsrede dafür, um einen Blick darauf zu werfen, welche Möglichkeiten Technologien bereits heute bieten, um Menschen zu helfen. Auch eine Kritik an die US-Regierung konnte sich der Intel-Chef nicht verkneifen.

Intel-Chef Craig Barrett besucht laut eigenen Angaben rund 30 Länder im Jahr. Überall auf der Welt kann er damit beobachten, welche Auswirkungen die Technologie auf die Menschen und insbesondere auf deren Bildung hat. Dabei gab es in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung. „Als wir vor 11 Jahren einen Teraflop-Rechner bauen wollten, benötigten wir dafür 10.000 Pentium-Pro-CPUs“, sagte Barrett in seiner IDF-Eröffnungsrede. Diese CPUs nahmen nicht nur viel Platz ein, sondern verbrauchten viel Energie. Heutzutage werde nur noch ein Prozessor zum Erreichen dieser Leistung benötigt.

Eine ähnlich rasante Entwicklung machte in der Zeit auch das Internet. Zunächst nur einigen wenigen Menschen bekannt und nützlich, nahm die Anzahl der Internet-Nutzer rasant zu. Barrett: „In China lernen mehr Menschen die englische Sprache, als die USA Einwohner haben. Und es nutzen bereits mehr Menschen dort das Internet, als die USA Einwohner haben.“

Bei jedem Land, so Barrett, das er bereise, bemerke er, dass erkannt worden ist, dass Technologie der Schlüssel für den Fortschritt sei. Und Technologie sei wichtig für die Bildung. „Ich werde heute nur ein politisches Statement abgeben und das kommt jetzt: Nicht jedes Land, in dass ich reise, hat erkannt, wie wichtig Bildung und Forschung ist. Das einzige Land, dass dies noch nicht erkannt hat, sind die USA“, kritisierte Barrett und fügte hinzu: „Ich bin einmal gefragt worden, welche Technologie bei der Bildung die Wichtigste wäre, wenn man nur eine auswählen könnte. Meine Antwort: Der Lehrer.“ Der Lehrer, erläuterte Barrett, sei der ausschlagende Faktor dafür, dass die Schüler sich für das Lernen begeistern können.

Welche Auswirkungen selbst einfache Entwicklungen auf die Bildung haben können, wurde anschließend demonstriert, als Johnny Chung Lee von der Carnegie Mellon University auf die Bühne durfte. Lee hat entdeckt, zu was sich die Infrarot-Einheit der Wiimote einer Spielekonsole Nintendo Wii einsetzen lässt. Das Ergebnis: Mittels eines Projektors kann der Monitor-Inhalt auf eine Leinwand projiziert werden. Auf der Leinwand kann anschließend mit günstig produzierten bzw. selbst gebastelten Infrarot-Stiften der Maus-Cursor über die Leinwand gesteuert werden. Die Signale werden von der Wii-Mote empfangen und dann vom PC verarbeitet.

Wie das in Aktion aussieht demonstriert folgendes auf Youtube veröffentlichte Video, das bis dato mehr als 1,8 Millionen Male angesehen wurde und für Furore im Bereich der Bildung sorgte:

Die Botschaft von Lee an alle, die ebenfalls Dinge erfinden wollen, die der Menschheit nützlich sind: „Stellt euer Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung, damit diese daran weiterarbeiten kann“, erklärte Lee dem versammelten Publikum und sorgte damit auch für ein Lächeln bei Craig Barrett.

Zweites Beispiel dafür, wie Technologie dafür sorgen kann, den Menschen zu helfen: Kiva.org . Barrett stellte gemeinsam mit Kiva-Chef Matt Flannery den Internet-Dienst vor, mit dem Privatleute ohne großen Aufwand an Einzelpersonen in der dritten Welt Darlehen vergeben können, die mit diesem Geld eine Existenz aufbauen können. Die Klein-Darlehen, beispielsweise in Höhe von 500 US-Dollar, können via Paypal-Konto oder Kreditkarte gezahlt werden. Sie werden dann später von den Empfängern wieder zurückgezahlt. Auf der Website von Kiva.org bewerben sich Menschen um die Darlehen und legen auch ausführlich dar, was genau sie mit dem Geld anstellen wollen.

Kiva.org ist ebenfalls ein Beispiel dafür, wie eine vorhandene Technologie für einen guten Zweck eingesetzt werden kann. Entwicklungsländern, so Barrett, müsse die Möglichkeit gegeben werden, die vorhandenen Technologien nutzen zu können. Für die Nutzung von Internet sei beispielsweise Wimax wichtig, dass bereits jetzt rund 50 Millionen Menschen die Möglichkeit böte, dass Internet zu nutzen. Bis 2011 soll sich die Zahl der Wimax-Nutzer auf über eine Milliarde erhöhen. Um die Verbreitung von Wimax zu fördern, habe man sich dafür entschieden, Wimax als offenen Standard zu propagieren.

Die weiteren Bereiche, die vom Fortschritt profitieren: Gesundheitswesen und Umweltschutz. Zunächst erläuterte Barrett, dass das Gesundheitswesen immer mehr Geld verschlänge, was unter anderem daran läge, dass die Menschen älter werden und chronische Krankheiten zunehmen. Im Gesundheitswesen gelte derzeit noch das Prinzip, dass der kranke Mensch sozusagen zum ‚Server’, dem Krankenhaus oder Arzt gehen müsse.

„Es ist Zeit den ‚Personal Computer’ in diesen Bereich einzuführen“, sagte Barrett und blieb damit beim zuvor aufgestellten Bild aus der IT-Welt. Dabei müsse in einem ersten Schritt vor allem die Technologie genutzt werden, die nahezu jeder Mensch einsetze: Mobiltelefone.

Gemeinsam mit einem Arzt aus Kolumbien demonstrierte Barrett mit vollem Körpereinsatz, wie mit einer Handy-Kamera der Barcode von einer Patienten-ID fotografiert und an ein Krankenhaus übertragen wird. Dort können Ärzte dann die Krankengeschichte des Opfers überprüfen und mit deren Hilfe entscheiden, wie dem Patienten am besten geholfen werden kann.

Das Verfahren sei beispielsweise auch für Regionen interessant, in denen viele Menschen leben, aber nur wenige Ärzte vorhanden sind. Bei Bedarf könnten die Ärzte telefonisch kontaktiert werden und den Menschen telefonisch helfen oder entscheiden, ob ein Arzt persönlich erscheinen wird.

Im Bereich Umweltschutz nannte Barrett als Beispiel gut eingesetzter bereits verfügbarer Technologie das Beispiel von UPS. Das Transportunternehmen habe kürzlich entschieden, seine Flotte mit GPS-Navigationssystemen auszustatten, was unterm Strich dabei helfen soll, Millionen gefahrener Kilometer einzusparen und damit nicht nur die Kosten zu senken, sondern auch die Umwelt zu schonen.


„Kleine Handlungen, die getan werden, sind besser, als große Handlungen, die nur geplant werden“, kam Intel-Chef Barrett zum Schluss seiner Eröffnungsrede. Er fügte hinzu, dass Intel für einen Anreiz dafür sorgen will, dass kleine, geniale Ideen auch in die Realität umgesetzt werden. Aus diesem Grund habe man nun den Wettbewerb intelchallenge.com gestartet, bei dem man seine Ideen in den Bereichen Bildung, ökonomische Entwicklung, Gesundheitswesen und Umwelt einreichen kann. Die ersten vier Sieger und deren Ideen werden auf der kommenden IDF im Frühling vorgestellt. Sie erhalten jeweils 100.000 US-Dollar, die in die Umsetzung der Idee gesteckt werden müssen.

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