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IBM nimmt Stellung zu Vorwürfen

13.02.2001 | 10:31 Uhr |

Der weltgrößte Computer-Konzern IBM ist wegen Beihilfe zum Holocaust auf Schadenersatz verklagt worden. Im Namen vom KZ-Überlebenden beschuldigten US-Anwälte das Unternehmen vor einem Gericht in Brooklyn (New York), die Nazis mit Geräten versorgt zu haben, die zur Erfassung von Juden eingesetzt worden seien.

Der weltgrößte Computer-Konzern International Business Machines (IBM) ist wegen Beihilfe zum Holocaust auf Schadenersatz verklagt worden.

Im Namen vom KZ-Überlebenden beschuldigten US-Anwälte das Unternehmen vor einem Gericht in Brooklyn (New York), die Nazis mit Geräten versorgt zu haben, die zur Erfassung von Juden eingesetzt worden seien. Die Verantwortlichen der Firma hätten wissen müssen, für welche Zwecke die Maschinen benutzt wurden, hätten aber aus Profitinteresse nichts dagegen getan.

Ein Sprecher von IBM Deutschland äußerte sich dazu am Montag in Stuttgart, die damalige IBM-Tochter Dehomag (Berlin) sei unter Zwangsverwaltung gestellt gewesen, so dass IBM keinen Zugriff und keine Kontrolle darüber hatte.

Die am vergangenen Samstag eingereichte Klage trifft mit der Veröffentlichung eines neuen Buches zusammen. Darin erhebt Autor Edwin Black den Vorwurf, Hollerith-Maschinen seien in mindestens einem Dutzend Konzentrationslager benutzt worden. Für Lieferung und Wartung sei die Dehomag verantwortlich gewesen.

IBM nahm in den USA nicht direkt zu der Klage Stellung. Auf seiner internen Website betonte es nach Informationen der "New York Times" jedoch, dass der Einsatz der Maschinen durch die Nationalsozialisten kein Geheimnis sei. "Wie bei Hunderten von Firmen im ausländischen Besitz, die in Deutschland zur damaligen Zeit Geschäfte machten, kam Dehomag vor dem Zweiten Weltkrieg und während des Krieges unter die Kontrolle der Nazi-Behörden", informierte IBM-Sprecherin Carol Makovich die Angestellten.

Thomas Mikeleit von IBM Deutschland sagte, der Einsatz von Hollerith-Maschinen sei seit Jahrzehnten bekannt und unbestritten. Die Unterlagen über die Dehomag seien der Universität Stuttgart-Hohenheim und der University of New York zur Auswertung und Bewertung zur Verfügung gestellt worden.

Die Klage wurde von Anwälten eingereicht, die außergerichtlich schon mehr als sieben Millionen Dollar Schadensersatz erstritten hätten, schrieb die "New York Times". Sie verlangen von IBM eine Wiedergutmachung, gemessen an den Gewinnen, die der Konzern "durch die Verletzung internationalen Rechts" gemacht habe. Außerdem soll das Unternehmen seine Geschäftsunterlagen aus jener Zeit offen legen. (PC-WELT, 13.02.2001, dpa/ pk)

Hat IBM die Nazis unterstützt? (PC-WELT Online, 12.02.2001)

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