23.01.2001, 16:38

Markus Pilzweger

IBM greift Musik-Piraten an

Immer wieder haben verschiedene Anbieter wie EMusic, Software-Lösungen vorgestellt, die den freien Tausch kopierter MP3-Dateien unterbinden sollen. Dass dieser Markt durchaus Potenzial hat, beweist nun der Einstieg von IBM.
In vielen Labors weltweit zerbrechen sich Wissenschaftler und Techniker die Köpfe, wie sie den unkontrollierbaren MP3-Tausch durch Software-Lösungen in seine Schranken verweisen können. IBM hat nun eine neuartige Technik entwickelt, die MP3- oder Text-Dateien derart modifiziert, dass eine unlimitierte Weiterverbreitung unmöglich werden soll.
Das so genannte "Electronic Media Management System" (EMMS) soll es Distributoren oder Konsumenten ermöglichen, MP3- oder Text-Dateien mit unterschiedlichen Zugriffsrechten zu versenden.
Dies könnte folgendermaßen aussehen: Plattenlabel A verschickt einen Song an Händler B. Dieser hat vollen Zugriff auf die Datei und kann sie in voller Länge anhören. Händler B verschickt die Datei per Mail an alle Kunden, die sich für den jeweiligen Künstler interessieren. Die Kunden können in den Song jedoch lediglich "reinschnuppern", also beispielsweise nur die ersten 20 Sekunden anhören. Um die vollen Zugriffsrechte zu erhalten, müssten die Kunden dann erst eine Gebühr an den Händler entrichten.
Die Zugriffsrechte können die Distributoren auch auf die jeweilige Rechtslage in verschiedenen Ländern abstimmen. So könnten Kunden, die außerhalb der USA leben, weitergehende oder eingeschränktere Zugriffsrechte erhalten, als Konsumenten in den Vereinigten Staaten.
EMMS wird bereits von Music Match Jukebox und Real Jukebox unterstützt - ganz im Gegensatz zu Microsofts Media Player. Während die beiden Plattenriesen Sony und Bertelsmann die Technik bereits favorisieren, sind die verbleibenden drei Groß-Studios AOL Time Warner, EMI sowie Universal noch skeptisch.
"Damit sich die Platten- oder Unterhaltungsindustrie weiter entwickeln kann, ist es nötig eine E-Commerce-Plattform einzurichten", so Scott Burnett, Entwicklungsvorstand bei IBM. "Die Künstler müssen bezahlt werden, die Label müssen bezahlt werden, die Distributoren müssen bezahlt werden und der Konsument soll glücklich sein."
Ob nun dieses Modell von IBM erfolgreich sein wird, hängt in erster Linie von der Bereitschaft der Kunden ab, für derartige Dienste zu bezahlen. Bislang haben sich nahezu alle Anwender für den günstigeren Weg über Napster oder Gnutella entschieden. (PC-WELT, 23.01.2001, mp)
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