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IBM dementiert Umfang des Stellenabbaus und tritt nach

27.01.2015 | 13:32 Uhr |

Erst wollte IBM zu der Meldung über die riesige Entlassungswelle keine Stellungnahme abgeben, dann sah sich das Unternehmen dazu doch gezwungen und räumte durchaus Stellenstreichungen ein. Und trat dabei auch noch beleidigt nach.

IBM hat es nicht leicht. Das einstige Schwergewicht der PC-Branche wirkt neben Google, Facebook oder Apple vergleichsweise unsexy. Und befindet sich zudem mitten in einem Umstrukturierungsprozess, der sich auch auf die Arbeitsplätze im Unternehmen auswirkt. Da reagiert man dann schon mal dünnhäutig, wenn unangenehme Berichte in den Medien auftauchen.

Gestern machte die Meldung die Runde, dass IBM vor der größten Entlassungswelle seiner Unternehmensgeschichte stehe. Demnach müssen fast 112.000 Mitarbeiter IBM verlassen. das wäre ein noch größerer Stellenabbau als 1993, als IBM 60.000 Menschen rauswarf. Urheber der Meldung war der in der Regel gut informierte US-Technik- und Wirtschaftsjournalist Robert X. Cringley. Die Meldung wurde von diversen US-Medien übernommen und auch wir berichteten darüber. Wobei wir selbstverständlich vorher bei der Pressestelle von IBM um eine Stellungnahme baten. Die wir dann auch erhielten, allerdings mit diesem nichtssagenden Inhalt: „IBM kann zu Gerüchten und Spekulationen keine Stellungnahme abgeben.“

IBM hatte ganz offensichtlich die Sprengkraft der Meldung über die Massenentlassungen unterschätzt - verunsicherte Kunden und erst recht Mitarbeiter, die aus den Medien erfahren, dass sie vielleicht bis Ende Februar ihren Arbeitsplatz räumen müssen. Also raffte sich IBM dann doch noch zu einer nachträglichen Stellungnahme auf. In einem ziemlich gereizten Ton.

Robert Cringley zitiert aus der Stellungnahme, die IBM auf diesem Weblog veröffentlichte: „IBM kommentiert keine Gerüchte oder Spekulationen. Wir machen aber eine Ausnahme, wenn die Spekulation dumm ist. Und das ist hier der Fall.“ IBM bezeichnet Cringley im weiteren Text als Nervtöter/Störenfried und seine Behauptungen als „lächerlich“.

Doch dann räumt der offensichtlich ziemlich gereizte Riese ein, dass er 600 Millionen US-Dollar für Restrukturierungen aufwenden müsse. Und dass das einige Tausend Menschen betreffen würde. Nicht 10.000 und auch nicht 100.000, so IBM. Diesen von IBM bestätigten Stellenabbau meldet auch Reuters. Zudem würde IBM derzeit weltweit mehr als 10.000 neue Jobs ausschreiben. IBM schließt seine gereizte Antwort mit dem Hinweis, dass IBM immer noch großen Gewinn erwirtschaften würde.

Den vollen Wortlaut des Blogposts/der Stellungnahme von IBM kann man hier nachlesen. Der originale Text auf dem IBM-Blog wurde dagegen offensichtlich nachträglich verändert und entschärft. Liest man nämlich jetzt die IBM-Mitteilung, dann fehlen die Wörter „lächerlich“ und „Störenfried“ sowie „dumm“. Ebenso fehlt der unschöne Ausdruck „Umstrukturierung“, der ja immer auch mit Entlassungen verbunden ist. Offensichtlich hat IBM seine ursprüngliche Stellungnahme nachträglich massiv verändert, ohne dies kenntlich zu machen.

Der Aktienkurs von IBM. Besonders die Kursentwicklung seit Herbst 2014 ist für die Aktionäre unerfreulich.
Vergrößern Der Aktienkurs von IBM. Besonders die Kursentwicklung seit Herbst 2014 ist für die Aktionäre unerfreulich.
© http://www.finanzen.net/chart/IBM

Cringley hält jedoch an seiner Aussage fest und skizziert die Möglichkeiten, mit denen IBM sein Ziel eines deutlichen Stellenabbaus erreichen könnte, ohne dafür offiziell so viele Mitarbeiter formal entlassen zu müssen. Cringley, der auch einen Twitteraccount besitzt, geht davon aus, dass IBM am 1. März deutlich weniger Mitarbeiter beschäftigen wird als heute. Wie auch immer IBM das erreicht – es muss sich ja nicht immer um direkte Kündigungen handeln. IBM könnte ja viele ältere Mitarbeiter in Frührente drängen. Oder aber einen Stellenabbau damit begründen, dass man Mitarbeiter mit schlechter Performance loswerden wolle.

Und auch eine Zahl wie 112.000 ist nicht in Stein gemeißelt, entscheidend ist die ungefähre Größenordnung. Zudem berichtet Reuters, dass IBM seit Jahren kontinuierlich seine Mitarbeiterzahl reduzieren würde. Zwischen 6.500 und 21.500 hätten demnach jedes Jahr gehen müssen.

IBM wiederum zufolge arbeiteten Ende 2013 431.212 für das Unternehmen, 2012 waren es noch 434.246. Wie viele aber Ende 2014 noch bei IBM in Lohn und Brot standen, sagte das Unternehmen nicht.

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