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Betriebsübergang bereitet IBM-Tochter Sercon Ärger

25.09.2007 | 09:15 Uhr |

Rund 130 von insgesamt 750 Sercon-Beratern wechseln demnächst zu IBM Business Services. Betroffene Mitarbeiter äußern sich unzufrieden über die Konditionen und befürchten den Ausverkauf von Sercon.

Sercon-Unternehmenszentrale in Ehningen: Die Belegschaft fürchtet um den Ausverkauf der IBM-Tochter.
Vergrößern Sercon-Unternehmenszentrale in Ehningen: Die Belegschaft fürchtet um den Ausverkauf der IBM-Tochter.
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Die Sercon-Berater sollen bereits am 1. Oktober ihren Dienst bei IBM Business Services (BS) antreten. Der Wechsel soll im Rahmen Betriebsübergangs nach Paragraf 613a erfolge. Auch als "Outsourcing-Paragraf" bezeichnet, regelt dieses Gesetzt die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, wenn Geschäftsbereiche aufgrund einer unternehmerischen Entscheidung abgestoßen werden. Unter anderem gewährt 613ar den Mitarbeitern nach dem Betriebsübergang ein Jahr Bestandsschutz, was Gehalt und Einsatzort betrifft.

Zumindest unter Betriebsrat und Geschäftsleitung erfolgt der Betriebsübergang von Sercon zu IBM Business Services (BS) offenbar einvernehmlich. Die 130 Sercon-Mitarbeiter waren ohnehin beratend in Outsourcing-Projekten von IBM BS tätig. Der Servicebereich ist aus dem Outsourcing-Projekt der Deutschen Bank mit IBM hervorgegangen. 900 der insgesamt 1500 Mitarbeiter waren zuvor beim größten deutschen privatwirtschaftlichen Finanzinstitut beschäftigt. Nahezu alle Beschäftigten kamen im Rahmen von Outsouring-Deals – etwa mit ABB, Lurgi und der HSH Nordbank – zu IBM BS. Dort, wo es zu personellen Engpässen kam, griff der IBM-Geschäftsbereich IBM BS auf die IBM-Tochter Sercon zurück. In der Regel kamen Sercon-Berater als Projektleiter zum Einsatz. Dafür musste IBM BS zahlen – und zwar sämtliche Personalkosten plus einen zehnprozentigen Aufschlag.

Die Konditionen für die Mitarbeiter verschlechtern sich nach dem Wechsel zur Mutter nicht – zumindest nach Auffassung der Sercon-Betriebsratsvorsitzenden Veronica Wernstedt: "Wir haben erreicht, dass die durchschnittlichen Leistungen beibehalten werden. Bestimmte Bestandteile werden angepasst, etwa weil sich die Berechnungsgrundlage ändert. Das geht zu Lasten einiger Kollegen, andere sind künftig besser gestellt." Auf der Web-Site Boocompany meldete sich dagegen ein Sercon-Mitarbeiter, der über eine große Unzufriedenheit in der Belegschaft klagt. "Die neuen Arbeitsverträge enthalten unter anderem Klauseln, die Zeit- und Leiharbeitsfirmen alle Ehre machen", heißt es dort. Auch aus einer anderen dem Unternehmen nahe stehenden Quellen ist Kritik an der Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung zu vernehmen: "Interessensausgleich und Sozialplan sind nicht so toll geworden."

Mit der Auslagerung der Outsourcing-Experten bei Sercon geht die Befürchtung einher, IBM wolle ihre Tochter langsam zu Grabe tragen. Immerhin verliert Sercon mehr als 15 Prozent ihrer produktiven Arbeitskräfte, die administrativen Funktionen werden jedoch nicht reduziert. Das Ergebnis der Sercon dürfte sich demnach künftig verschlechtern. Fraglich ist, wie lange der IBM-Konzern bei seinen Töchtern Leistungseinbußen duldet. Gegenüber Boocompany berichtet der betroffene Mitarbeiter zudem, es gebe eine Liste von Sercon-Mitarbeitern, die zu IBMs Software Group wechseln sollen. Betriebsrätin Wernstedt dementiert: "Davon weiß ich nichts." (jha)

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