Auto & Technik auf PC-WELT

Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

2118013

IAA 2015 steht unter Strom: Die wichtigsten E-Autos und Hybride

18.09.2015 | 15:46 Uhr |

Elektro-Autos und Plugin-Hybride dominieren die diesjährige IAA. Wir stellen die wichtigsten Stromer von Audi, BMW, VW und Co. vor.

Noch nie stand eine IAA so unter Strom wie die diesjährige Automobil-Ausstellung. Überall auf dem Freigelände und zwischen den Hallen fahren E-Autos und (Plug-In)-Hybrid-Fahrzeuge von vielen namhaften Automobil-Herstellern als Messe-Taxis herum. An den Messeständen der meisten Hersteller stehen mal mehr und mal weniger E-Autos und Plugin-Hybride. Und in der Halle 3.1 in der New Mobility World sind die ganzen E-Autos noch einmal an einem Ort zusammengefasst.
 
BMW-eDrive-Technologie
 
Auf dem Freigelände vor der Halle 11, die von BMW, Mini und Rolls-Royce in Beschlag genommen wird, hat BMW eine große Ladestation für sein Elektro-Auto i3 und seinen Supersportwagen-Hybriden i8 aufgebaut. Auch in der Halle 11 zeigt BMW Elektro-Fahrzeuge. Allerdings dreht sich der diesjährige Messeauftritt nicht mehr ganz so um das Thema Strom wie vor zwei Jahren, als überall BMW i3 unterwegs waren.

Stattdessen steht dieses Jahr der neue BMW 7er im Mittelpunkt. Und bei dem Flaggschiff von BMW spielen in erster Linie Hubraum-starke Verbrennungsmotoren, neue Komfortfunktionen und mehr Platz auf den Rücksitzen eine Rolle sowie das erweiterte Infotainmentsystem (unter anderem mit einem Samsung-Tablet mit Software von BMW in der Mittelarmlehne auf der Rücksitzbank) und die neue Gestensteuerung eine wichtige Rolle. Sowie die neuen Fahrerassistenzsysteme wie das ferngesteuerte Einparken. Ein Plug-in-Hybrid-Modell BMW 740e ist aber trotzdem auch zu bewundern – auch vor dem überarbeiteten Flaggschiff von BMW macht die Elektrifizierungswelle nicht halt.
 
Diese BMW eDrive Technologie demonstriert BMW auch im BMW 225xe: Der Fronttriebler wird von einem vorne quer eingebauten 3-Zylindermotor und einem Plugin-Hybrid-Elektromotor über der Hinterachse angetrieben. Damit besitzt das Fahrzeug zugleich Allradantrieb mit einer Systemleistung von 165 kW/224 PS. Ihm folgen bald BMW X5 xDrive40e, BMW 740e, BMW 330e und BMW 225xe.

Audi Q7 E-Tron quattro
Vergrößern Audi Q7 E-Tron quattro

 
Audi E-Tron
 
Neben dem Audi-Pavillon führt Audi auf dem Freigelände den A3 E-Tron zusammen mit dem pilotierten Fahren vor. Der stromgetriebene A3 fährt vollautomatisch einige Meter geradeaus über die induktive Ladeplatte, auf der seine Batterien dann aufgeladen werden. Wer möchte, kann die paar Meter mitfahren. Besonders spektakulär ist das Ganze aber nicht, da war die Vorführung des Stau-Piloten in Shanghai erheblich spannender.

Audi E-Tron Quattro Concept
Vergrößern Audi E-Tron Quattro Concept

 
Audi verspricht mit seinen E-Tron-Fahrzeugen nicht nur eine gewisse Kraftstoffersparnis, sondern auch viel Fahrspaß. Als SUV-Studie mit Öko-Touch zeigt Audi den Audi E-Tron Quattro Concept. Den man nicht mit dem ebenfalls auf der IAA gezeigten Audi Q7 E-Tron Quattro verwechseln darf.

Audi zeigt pilotiertes Fahren auf dem Freigelände
Vergrößern Audi zeigt pilotiertes Fahren auf dem Freigelände

 
Porsche Mission E
 
Von Porsche gibt es die Studie Mission E – das E steht für Elektro. Der E-Sportwagen mit vier Türen und vier Sitzen sowie Allradantrieb und Allradlenkung soll sich wie ein Porsche fahren (Beschleunigung in unter 3,5 Sekunden von null auf 100 km/h), denn „es gibt noch keinen (elektrischen Sportwagen), der den Namen Porsche verdient“, wie Porsche-Chef Matthias Müller aggressiv in Richtung Tesla sagte. Die Porsche-Instrumente werden mittels Blick- und Gestensteuerung bedient, teilweise sogar über Hologramme – intuitiv und mit maximaler Fahrerorientierung durch automatische Einstellung auf die Fahrerposition.

Porsche Mission E
Vergrößern Porsche Mission E

Audi und Porsche "geben Gas" beim Elektro-Antrieb
 
Beide Elektro-Autos von Porsche und Audi sollen mit einer Akku-Ladung eine Reichweite von 500 Kilometer schaffen. Mit Motoren, die reichlich Fahrspaß versprechen: 600 und 500 PS stark. Ob die Reichweite von 500 Kilometer aber auch nur annähernd erreicht wird, wenn man die Fahrzeuge entsprechend ihrer Motorleistung fährt, bleibt abzuwarten.
 
Besonders spannend bei Porsche Mission E und Audi E-Tron Quattro Concept sind die kurzen Ladezeiten für die Akkus von 15 bis 30 Minuten. Bei Porsche soll das die Porsche Turbo Charging-Technologie mit 800 Volt (400 Volt Spannung sind derzeit bei Elektro-Fahrzeugen üblich) möglich machen. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde an der Schnellladesäule sollen rund 80 Prozent Reichweite zur Verfügung stehen. Der Porsche Mission E kann aber auch an 400-Volt-Schnellladestationen aufgeladen werden und zu Hause über eine Induktionsspule im Boden der Garage.
 
Im Audi-Pavillon stehen neben so viel Strom aber durchaus auch noch klassische Audi-Tugenden im Mittelpunkt. Also zum Beispiel Quattro (durch eine künstlich vereiste Wand symbolisiert). Und Rennsport. Und so findet man in der Halle dann vor allem Benziner und Diesel.

VW Tiguan GTE
Vergrößern VW Tiguan GTE

 
Volkswagen
 
Volkswagen wiederum zeigt den VW Passat GTE als Hybrid, dazu auch einen Plugin-Hybriden namens Tiguan GTE, der bis zu 50 Kilometer auch rein elektrisch fahren können soll. Allerdings ist der Tiguan GTE nur eine Studie.
 
Dabei soll es aber nicht bleiben, VW-Konzernchef Winterkorn kündigte am Vorabend der IAA auf der VW-Group-Night „On the move“ bis zum Jahr 2020 20 neue Plugin-Hybrid- und Elektro-Autos aus der VW-Gruppe an. Und forderte vom Staat Hilfestellung für die Elektro-Mobilität.

E-Autos und Hybride in Halle 3.1
Vergrößern E-Autos und Hybride in Halle 3.1

 
New Mobility World
 
In Halle 3.1 des Ausstellungsbereichs New Mobility World (oberhalb der Halle 3 der VW-Gruppe) stellen viele Startups, aber auch namhafte Hersteller ihre Produkte rund um die Themenbereiche Konnektivität, Elektro-Antrieb, emissionsfreies Fahren und Carsharing aus. Auf einer Fläche sind zudem die wesentlichen derzeit erhältlichen Elektro-Autos versammelt. Messe-Besucher sollten sich die Zeit nehmen und hier wenigstens einmal kurz reinschauen.

 
Inu: Roller als Wohnzimmer-Dekoration
 
So findet man zum Beispiel das israelische Unternehmen Greenride auf der New Mobility World. Es stellt einen Elektro-Roller her. Das an sich wäre noch nicht ungewöhnlich, Elektro-Roller findet man einige auf der IAA, darunter auch eine elektrische Vespa.
 
Was den Inu jedoch ungewöhnlich macht, ist sein Konzept: Er dient außerhalb der eigenen vier Wände als E-Roller. Und zu Hause als Dekoration beziehungsweise Zimmerschmuck. Dazu klappt er sich vollautomatisch hochkant zusammen, wenn man ihm dazu den Befehl per Smartphone-Ap gibt.
 
Der schwarz-orange-metallene Roller soll maximal 120 Kilogramm transportieren, eine Reichweite von 40 Kilometer haben und in 3,9 Sekunden auf 25 Stundenkilometer beschleunigen. Das Zusammenfalten soll 4,5 Sekunden dauern. Aufgeladen wird der Inu an der 230-Voltsteckdose zu Hause. Mit einem Adapter als Aufsatz für die Steckdose.
 
Allerdings gibt es zwei große Fragezeichen bei Inu: Der Preis. Er beträgt 5000 Euro. Gibt man wirklich so viel Geld für einen Roller aus? Und: Wer stellt sich einen staubigen und verschmutzten Roller in die Wohnung? Denn wenn man den Inu nutzt, dann wird er nun einmal schmutzig.
 
Greenride will den Inu ab 2016 via Online-Shop und in eigenen Stores vor Ort verkaufen.

 
Electric 356 Speedster
 
In der New Mobility World zeigen Turn-E und BMZ einen Nachbau des Porsche 356 mit Glasfaser-Karosserie und Elektro-Motor. Die Akkus liefern je nach Modell zwischen 58 kWh und 70 kWh. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 km/h soll die Reichweite zwischen 400 und 600 Kilometer betragen. Den Spurt von 0 auf 100 soll der Speedster in sechs Sekunden schaffen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 185 km/h, das Leergewicht gibt der Hersteller mit 950 Kilogramm an.
 
Zielgruppe sind offensichtlich Autofahrer, die die klassische Optik des Porsche 356 - den Vorgänger des Porsche 911, mit dem aufgebohrten und aus dem VW Käfer bekannten luftgekühlten Boxermotor - in Verbindung mit einem modernen E-Motor genießen wollen. Zum Preis macht das Unternehmen keine Angaben. Teuer dürfte dieser Retro-Spaß aber in jedem Fall sein.

Toyota Prius
Vergrößern Toyota Prius

  Toyota
 
Und was zeigt Toyota, erwiesenermaßen Vorreiter in Sachen Hybridantrieb? Nun am Stand von Toyota geht es auch dieses Jahr wieder recht brav zur Sache, weder der Sportwagen GT86 noch der Landcruiser noch der Hilux lassen Männerherzen schneller schlagen. Stattdessen setzt Toyota wie schon auf der IAA 2013 ganz auf seine hybride Modellpalette. Vor allem der RAV4 mit Hybridantrieb wird vorgeführt.
 
Natürlich zeigt Toyota auch die nächste Generation des Prius. Allerdings fehlen zwei ganz wichtige Informationen zum neuen Prius, der sich schon seit vielen Jahren im harten Taxi-Einsatz als robustes Transportmittel bewährt: Die Motorleistung und der Preis. Insofern verlässt man den Toyota-Stand etwas unzufrieden. Aber immerhin kann man sich schon mal in den neuen Prius hinein setzen und dessen etwas größeren Kofferraum bewundern – der aber immer noch nicht besonders groß ist.

Thunder Power

Eine komplette Neuvorstellung unter den E-Autos ist der Thunder Power , den der taiwanische Hersteller mit 230 kW und 320 kW anbietet. Die 25-kWh fassende Lithium-Ionen-Batterie soll eine maximale Reichweite von 650 Kilometer ermöglichen.
 
E-Autos rentieren sich derzeit nicht wirklich
 
Ob sich E-Autos und/oder Hybrid-Fahrzeuge demnächst deutlich besser verkaufen werden, darf indes bezweifelt werden. Hier gilt das, was uns ein Frankfurter Taxi-Fahrer erklärte: Der Prius sei ja durchaus robust im harten Taxi-Einsatz, doch so niedrig wie die Kraftstoffpreise derzeit sind, lohnt sich die Anschaffung eines teuren Hybridfahrzeugs nicht. Und E-Autos kommen für den Taxler ohnehin nicht in Frage – wegen ihrer in der Regel geringen Reichweite und der langen Ladezeit. Den hohen Anschaffungspreis gibt es hier als Handicap noch extra obendrauf.
 
Beide Probleme – geringe Reichweite und viel zu lange Ladezeit – treibt die Automobil-Hersteller in der Tat um. Und so hört man auf der IAA überall Versprechungen wie größere Reichweiten und kürzere Ladezeiten dank Starkstromladestationen, beispielsweise bei Porsche und Audi. Die hohen Anschaffungspreise kommunizieren die Hersteller dann aber schon weniger deutlich.
 
Die Forderung von VW-Chef Winterkorns angesichts der schwierigen Ausgangssituation für Hybrid- und Elektro-Autos ist dann geradezu typisch: Die Politik soll es richten. Und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Auf gut Deutsch: Steuerliche Anreize, Zuschüsse und zusätzlich Privilegien im Straßenverkehr bei Parkplätzen und Busspuren.

Hella zeigt verschiedene intelligente Einsatzmöglichkeiten wie Damage Detection.
Vergrößern Hella zeigt verschiedene intelligente Einsatzmöglichkeiten wie Damage Detection.

 
Borgward: Statt klassischer Eleganz ein Hybrid-SUV
 
Eine Ankündigung hatte im Vorfeld der IAA Auto-Enthusiasten besonders aufmerken lassen: Borgward ist mit einem Stand vertreten. Borgward war eine bekannte Bremer Auto-Marke der Nachkriegszeit, die aber 1961 Pleite ging.
 
Der jetzt auf der IAA 2015 vorgestellte Borgward BX-7 hat mit der eleganten Isabella aus den 1950ern nichts gemein (gleichwohl stellt Borgward eine Isabella an seinem Stand ebenfalls aus). Sondern der BX-7 ist einfach nur ein weiteres SUV, das es wahlweise mit Benzinmotor oder als Hybriden gibt. Gebaut soll das Fahrzeug in China werden, dort sitzen auch die Geldgeber. Und China soll auch der Hauptzielmarkt dieses Autos sein. Die Vorstellung des BX-7 ist also inhaltlich überhaupt nicht spektakulär, wenn nicht der Name Borgward wäre. Mit dem aber jüngere Auto-Fans nicht mehr viel anfangen können dürften.
 
Tesla
 
Auch Tesla ist mit einem Stand vertreten, zeig dort aber nur den Tesla S. Und eine große Karte mit den bereits verfügbaren und den geplanten Schnellladestationen zum kostenlosen Aufladen.
 
Nissan
 
Nissan, das das weltweit meistverkaufte E-Auto überhaupt, den Nissan Leaf verkauft, stellt auf der IAA die Elektro-Version des Kleintransporters NV200 aus. Die Akkus sind beim NV200 in einer Schutzhülle unter dem Fahrzeugboden und über dem Bodenblech verbaut. Ähnlich wie beim Leaf. Weil zudem der Benzintank entfällt, bleibt das Fassungsvermögen des NV200 annähernd identisch zu dem konventionell mit Benzin oder Diesel angetriebenen NV200. Der elektrisch betriebene NV200 lässt sich wahlweise an der Haussteckdose aufladen – dann braucht man dafür eine Nacht. Oder an einer optionalen und aufpreispflichtigen Schnellladestation.
 
Segway ausprobieren
 
Tipp: Der TÜV hat auf dem Freigelände einen Parcours aufgebaut, auf dem Sie Ihre Fahrkünste mit dem Strom-betriebenen Segway ausprobieren können.


 
Damage Detection

Beleuchtungsspezialist Hella demonstriert in HALLE 3.1 verschiedene denkbare IT-Anwendungen im Auto. Beispielsweise die Damage Detection: Wenn die im geparkten Auto verbauten Bewegungssensoren eine Erschütterung bemerken, nimmt die ebenfalls verbaute Kamera ein Foto auf und das Auto schickt einen Alarm an das Smartphone des Auto-Fahrers.
 
Mercedes me zum Nachrüsten

Die Telekom zeigt in der New Mobility World einen Aufsatz für die OBD-Dose, der die Funktionalität von Mercedes me in älteren Mercedes-Benz-Fahrzeugen nachrüstet.
 
 

0 Kommentare zu diesem Artikel
2118013