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Fernseher gehen online

05.06.2010 | 16:05 Uhr |

Nach dem HDTV und 3D-TV entwickelt wurden, nimmt auch Hybrid-TV Gestalt an. Fernsehen und Internet werden dabei in einem Gerät kombiniert. Wenn es nach den Ideen der Hersteller geht, wird der Fernseher künftig zur Schalt- und Leitzentrale für Haushaltsgeräte und Haustechnik.

Insbesondere für Senioren bietet dies eine Gelegenheit, länger ein selbstbestimmtes Leben in ihren Wohnungen führen zu können. "Über den Fernseher kann man künftig zum Beispiel kontrollieren, ob der Herd auch wirklich aus ist oder ob in der Wohnung noch irgendwo Elektrogeräte unnötig laufen. Über die Fernbedienung kann man die Geräte steuern, das spart Strom und bietet einen zusätzlichen Sicherheitsaspekt für ältere Menschen", erklärt Jürgen Sewczyk von JS Consult/Eutelsat im pressetext-Interview.

"Daraus hat sich mittlerweile eine große Bewegung gebildet, die diese neue Technologie namens Assistent Living fördert. Darunter befinden sich Telekom-Unternehmen, Versicherer und soziale Einrichtungen. Auch viele Krankenkassen, die dank der modernen Technologie Senioren länger in ihren Wohnungen halten wollen, um sie nicht der Pflegeheim- und Altersheimthematik aussetzen zu müssen", so Sewczyk weiter.

In den letzten zwölf Monaten wurden laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) schon 750.000 Flachbildschirme mit Internetzugang verkauft. Marktanalysten zur Folge sollen bis Ende 2010 gut zwei Mio. hybride Endgeräte in den deutschen Haushalten stehen. Das entspricht einem Marktanteil von 20 Prozent. "Damit ist Deutschland zusammen mit den Niederlanden europaweit führend bei diesem Trend", so Frank Franz von der GfK.

Jürgen Sewczyk rechnet bis Ende 2011 sogar mit fünf bis sechs Mio. Hybrid-Fernsehern in deutschen Haushalten. "Die Technik ist eingebaut, die kostet nichts mehr. Diesem Trend kann man sich gar nicht mehr entziehen. Jetzt muss man eben nur noch sehen, welche Technologie bzw. welches Design tatsächlich am leistungsstärksten ist", so Sewczyk.

Mehr passende Hybrid-TV-Inhalte und auch ein Branchenstandard bei den Geräten sind die nächsten Ziele der Hersteller. Innerhalb der Deutschen TV-Plattform hat sich deshalb die Arbeitsgruppe "Hybride Endgeräte" unter der Leitung Sewczyks formiert. Mit rund 30 Experten von Mitgliedsunternehmen arbeitet die AG unter anderem daran, hybride Dienste und Geräte zu definieren. Das System Hybrid broadcast broadband TV kurz HbbTV wurde inzwischen bei der Europäischen Organisation ETSI (Digital Europe) als möglicher Online-Plattform-Standard eingereicht.

Philips nutzte dieses System bei seinem NetTV-Angebot als einer der Ersten. "Mit HbbTV haben wir einen großen Schritt gemacht, schon gut 15 Hersteller verwenden es mittlerweile. Es ist also schon ein Standard", so Sewczyk. Um das Internet auf den Fernsehbildschirm zu holen, wird am Gerät ein Internetanschluss benötigt. Dies ist entweder mittels integrierter Digitalempfänger (iDTV) gegeben oder man schließt Set-Top-Boxen an.

Das TV-Web muss man sich jedoch etwas anders vorstellen: "Es ergibt keinen großen Sinn, direkt im Internet zu surfen. Man sitzt drei Meter vom Bildschirm entfernt, dafür sind die normalen Webseiten-Inhalte viel zu klein. Auch längere Texte wie E-Mails auf der Fernbedienung zu schreiben, ist viel zu mühselig. Es ist also nicht direkt das Internet, das man empfängt, sondern vielmehr der Teletext, der renoviert wird", erklärt Sewczyk.

Über die Fernbedienung wird man auf 'Internet' umschalten können. Auf dem Bildschirm erscheint daraufhin ein Portal mit kleinen Applikationen, wie man es vom Apple-iPhone kennt. Dahinter verbergen sich die entsprechenden Dienste wie Wetter, Tagesschau, YouTube und eBay.

Auch die Fernbedienung wird dafür weiterentwickelt. "Einige Hersteller werden auf der IFA 2010 Modelle vorstellen, die nur noch fünf bis sechs Tasten haben. Alles andere wird über den Bildschirm bedient. Zusätzlich wird auf der Fernbedienung noch eine Zehner-Tastur mit Buchstaben hinterlegt sein, wie beim Handy", ist sich Sewczyk sicher. "Die aktuellen Entwicklungen werden das Fernsehen revolutionieren. In drei bis vier Jahren ist es soweit. Alle Marktzeichen stehen dafür."

(pte)

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