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Hoax: Microsoft bezahlt Sie für Mails

23.03.2006 | 12:45 Uhr |

Leicht verdientes Geld dank Microsoft verspricht ein derzeit kursierender Kettenbrief. Dabei handelt es sich um einen schon reichlich angestaubten Mail-Hoax aus dem Jahre 1999, der jetzt offensichtlich wieder zum Leben erweckt wurde. Das Ganze gipfelt in der Aussage: "Bill Gates verteilt gerade sein Vermögen". Wer möchte da nicht sofort zugreifen?

Geldgier und Sexualtrieb - meist ist es eine dieser beiden Grundeigenschaften des menschlichen Charakters, die sich Betrüger und Scherzkekse zunutze machen, wenn Sie Mails mit Malware im Gepäck oder Hoaxes versenden. Im Fall dieses Kettenbriefs vertraute der Absender auf den verständlichen Wunsch nach leicht verdientem Geld.

Der Text der derzeit kursierenden Version dieses Uralt-Hoaxes ist dermaßen daneben, dass er fast schon wieder originell ist. Hier der originale Wortlaut mit einigen Anmerkungen der Redaktion in runden Klammern:

"Hallo,
folgende Mail habe ich erhalten und diese finde ich sehr interessant. Schon alleine weil es nichts kostet und man sich dadurch nicht schadet. Ich glaube schon das sich einige Firmen so neue Kundenkreise aufbauen wollen ( durch das bloße Weiterleiten von Mails baut man sich einen Kundenkreis auf?).

Normalerweise sende ich keine Nachrichten dieser Art, aber diese Nachricht kommt von einer sehr guten Freundin, meiner Freundin, diese ist Anwältin und es scheint eine interessante Möglichkeit zu sein. Wenn Sie sagt, dass es funktioniert, dann funktioniert es auch ( erhöht die Glaubwürdigkeit: Man beruft sich auf eine vorgeblich kompetente Person ). Jedenfalls kann man nichts dabei verlieren.

Folgendes hat sie mir erzählt:
Ich bin Anwältin und ich kenne das Gesetz ( von dieser Anwältin sollte man sich besser nicht vor Gericht vertreten lassen ). Das ist eine Tatsache. Täuscht euch nicht, AOL und Intel halten ihre Versprechen aus Angst, vor Gericht gebracht und mit Forderungen in Millionenhöhe konfrontiert zu werden, so wie es Pepsi Cola mit General Electric vor kurzem gemacht hat.

Liebe Freunde, haltet dies bitte nicht für einen dummen Scherz. Bill Gates verteilt gerade sein Vermögen. Wenn ihr darauf nicht reagiert, könnte es Euch später leid tun. Windows ist noch immer das am häufigsten genutzte Programm ( das galt 1999 genauso wie heute ). Microsoft und AOL experimentieren gerade mit diesem per e-Mail versandten Text, e-mail beta test. Wenn ihr diese Mail an Freunde versendet, kann und wird Microsoft zwei Wochen lang euren Spuren folgen ( wie geht das technisch, wenn man die Nachricht als reine Textmail weiterschickt?).

Für jede Person, die diese Nachricht versendet, zahlt Microsoft 245 Euro ( ein US-Konzern zahlt also in Euro? ). Für jede Person, der ihr diese Nachricht geschickt habt und die sie weiterleitet, bezahlt Microsoft 243 Euro. Für die dritte Person, die sie erhält, bezahlt Microsoft 241 Euro. Nach zwei Wochen wird sich Microsoft mit der Bitte um Bestätigung der Postanschrift an Euch wenden und euch einen Scheck schicken.

Mit freundlichen Grüßen

Charles S. XXX ( englische Adresse mit Mailangabe, Anm. der Redaktion )
Ich habe dies für Betrug gehalten ( er hat also wissentlich eine betrügerische Mail weitergeleitet. Das nennt man Beihilfe ), aber zwei Wochen, nachdem ich diese Mail erhalten und sie weitergeleitet hatte, bat mich Microsoft um meine Postanschrift und ich habe einen Scheck über 24800 Euro erhalten. Ihr müsst antworten, bevor dieser Test beendet wird. Wenn jemand von euch diese Möglichkeit hat, sollte er sie nutzen. Für Bill Gates sind dies Ausgaben für eine Werbekampagne. Bitte sendet diese Nachricht so vielen Leuten wie möglich. Ihr solltet mindestens 10000 Euro erhalten. Wir wären ja bei der Weiterleitung dieser mail nicht behilflich, wenn nicht auch für uns etwas dabei herausspränge.

Eine Bekannte meines Vaters hat sich vor einigen Monaten hier eingeklinkt. Als ich sie zuletzt besucht habe, hat sie mir ihren Scheck gezeigt. Die Summe betrug 4324,44 Euro als Gesamtleistung. Die Tante von guten Freunden, Tante Patricia, die für Intel arbeitet, hat gerade einen Scheck über 4543,23 Euro für die Weiterleitung dieser Mail erhalten.

Wie gesagt, ich kenne das Gesetz und es stimmt, dass Intel und AOL gerade über eine Fusion verhandeln, die sie zum weltgrößten Anbieter (Anbieter von was?) machen würde und um sicherzustellen, dass sie das meistgenutzte Programm bleiben, führen sie diesen Test durch."

Soweit der Text dieses Hoaxes. Hier finden Sie Informationen zum Original aus dem Jahr 1999.

Das Original dieses Hoaxes - unter Experten als "Kettenbrief: Microsoft/AOL E-Mail Beta-Test" bekannt - war immerhin noch in englischer Sprache verfasst. Damit wurde zwar der haarsträubende Inhalt auch nicht plausibler, aber wenigstens passte die Sprache zum angeblichen Absender, der zwangsläufig aus Amerika stammen müsste. Doch ganz offensichtlich funktioniert der Hoax auch in deutscher Übersetzung.

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