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Hitliste der Internet-Hoaxes

02.04.2008 | 08:55 Uhr |

Hoaxes sind ein ständiges Ärgernis für die einen und gelegentliches Amüsement für die anderen. Hier ist ein Überblick über zum Teil seit Jahren verbreitete Falschmeldungen, die leider nicht auf den 1. April zurück zu führen sind.

Hoaxes werden gerne auch als ganzjährige Aprilscherze angesehen. Falschmeldungen unterschiedlichster Art haben im Internet eine erstaunliche hohe Halbwertszeit. Die Kettenbrief-artige Verbreitung scheint sie und die Empfänger von aktuellen Informationen zu entkoppeln, sodass sie zum Teil mehrere Jahre lang kursieren. So wird seit mehr als sieben Jahren angeblich ein Knochenmarkspender gesucht, Warnungen vor nicht existenten Viren halten sich zum Teil ähnlich hartnäckig.

Zu den Dauerbrennern der Anfragen bei Hoax-Info.de zählt seit Herbst 2000 die angebliche Suche nach einem Knochenmarkspender mit der Blutgruppe AB Rhesus negativ für eine an Leukämie erkrankte Freundin. Keine der in der Mail mit Namen und Adresse genannten Personen, darunter Angestellte des Uni-Klinikums Regensburg, kennt die Person, um die es darin gehen soll.

Die Mutationen eines klassischen Viren-Hoax lassen sich über eine ähnliche Zeitspanne verfolgen. Heute kursiert er als Warnung vor Mails mit dem Betreff "Einladung" und einem darin angeblich enthaltenen Virus, der wie eine lodernde Olympiafackel die Festplatte zerstört. Ursprünglich (etwa 2001) wurde vor Mails mit dem Betreff "A Virtual Card for you" gewarnt.

Praktisch nicht aus der Welt zu schaffen sind so genannte Urban Legends (Großstadtmärchen, Wandersagen), wie etwa die Mär von HIV-infizierten Nadeln in Kinositzen. Jüngst werden wieder Berichte verbreitet, man könne zwei aktive Handys auch als Eierkocher verwenden. Dass die maximale Sendeleistung von Mobiltelefonen dafür nicht ausreichen kann, haben offenbar nur wenige nachgerechnet.

Besonders umstritten sind die E-Petitionen. Von Gegnern als "Sofa-Aktivismus" disqualifiziert, glauben die Befürworter offenbar fest daran, dass es mit Kettenbrief-Petitionen möglich ist die Welt zu verändern. Wenn das wahr wäre, müssten alle Probleme dieser Welt längst gelöst sein. Aktuell ist die Lage der Tibeter in China Gegenstand einer solchen E-Petition. Warum die chinesische Regierung dem mehr Bedeutung beimessen sollte als den Appellen der internationalen Staatengemeinschaft, können die Betreiber der Petitionsplattform nicht schlüssig beantworten.

Die meisten Hoaxes werden immer noch per Mail verbreitet. Zunehmend entwickelt sich jedoch eine eigenständige Hoax-Kultur in IM-Netzen und sozialen Netzwerken - bis hin zu virtuellen Welten wie "Second Life". Meist beschränken sich die in Foren und Chats verbreiteten Fehlinformationen allerdings auf Warnungen vor bestimmten Benutzern, die angeblich Viren verbreiten sowie auf eine vermeintlich bevor stehende Schließung des jeweiligen Dienstes, der dann kostenpflichtig werden soll - ein offenkundiger Widerspruch in sich.

Viele Hoaxes tauchen in Wellen immer wieder auf und verschwinden dann scheinbar für Monate wieder von der Bildfläche. Seit inzwischen zehn Jahren werden kursierende Falschmeldungen beim Hoax-Info Service an der TU Berlin gesammelt und dokumentiert. Die wenigsten Hoaxes sind lustig, vor allem verstopfen sie die Mailboxen und diskreditieren ein wichtiges Kommunikationsmedium.

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