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Hilfssheriffs mit Fotohandy - New York feilt am Sicherheitsimage

30.01.2007 | 11:31 Uhr |

Die New Yorker Polizei bekommt demnächst ein Millionenheer von potenziellen Hilfssheriffs.

Jeder Bürger, der Zeuge eines Verbrechens wird, einen Handtaschenraub beobachtet oder einen Graffiti-Sprayer erwischt, soll - click! - per Fotohandy ein Bild der Szene direkt an die Polizeizentrale schicken können. Bürgermeister Michael Bloomberg, der sein eigenes Milliardenvermögen mit modernen Kommunikationstechnologien ("Bloomberg") gemacht hat, will die Notrufnummer 911 so ausstatten, dass sie auch digitale Bildsignale empfängt.

"Das macht keine andere Stadt der Welt", sagte er kürzlich bei der Vorstellung des Projekts. "Wir beginnen mit einer revolutionären Innovation." Und seine Sicherheitsexperten sehen bereits ihre Aufklärungsquoten nach oben klettern. "Je mehr Information wir haben und je schneller wie sie bekommen, umso eher können wir ein Verbrechen bekämpfen, und umso weniger Ressourcen brauchen wir", sagte Polizeichef Raymond Kelly.

Das Vorhaben ist ein weiterer Baustein im Kampf gegen die Kriminalität, dem sich New York seit seines legendären Bürgermeisters Rudolph Guiliani (1994-2001) verschrieben hat. Noch bis in die 90er Jahre galt die Acht-Millionen-Metropole als Hort des Verbrechens und Heimat der Mafia. Ganze Stadtviertel waren unbetretbar. Und wer seinen Geldbeutel heil über die 42. Straße brachte, konnte von Glück reden.

Die Zeiten haben sich geändert. Heute ist New York die sicherste Großstadt der USA. Seit Mitte der 90er Jahre ist die allgemeine Kriminalität um etwa die Hälfte zurückgegangen, allein im vergangenen Jahr nochmals um fast fünf Prozent. Mit 1187 Delikten auf 100 000 Einwohner in den ersten sechs Monaten 2006 verzeichnet New York die niedrigste Kriminalitätsrate unter den 25 größten Städten Amerikas.

Phoenix und Houston haben fast drei Mal so viel, Dallas noch mehr. Zwar geht in der Tendenz auch landesweit das Verbrechen seit Jahren zurück, aber der besondere New-York-Effekt ist unübersehbar.

Die Kehrtwende hatte Bürgermeister Giuliani mit seiner berühmt-berüchtigten "Null-Toleranz-Politik" eingeläutet. Bei seinem Amtsantritt 1994 gab der einstige Chefankläger und Mafiajäger die Parole aus, dass jedes, auch das kleinste Verbrechen geahndet wird, um so der harten Kriminalität vorzubeugen. Giuliani konnte damit große Erfolge verbuchen. Erst als seine Cops anfingen, auch von Temposündern und ampelblinden Fußgängern Bußgelder zu erheben, muckten die freiheitsliebenden Weltstädter auf.

Nachfolger Bloomberg, seit 2002 im Amt, setzt auf eine etwas leisere Linie. Er konzentriert Beamte an besonderen Brennpunkten, lässt Mehrfachtäter durch ein neues Programm überwachen und hat sich vor allem dem Kampf gegen illegalen Waffenbesitz verschrieben. Und natürlich darf auch die Technik nicht fehlen: Mit mehr als neun Millionen Dollar (knapp sieben Millionen Euro) sollen in nächster Zeit an 200 Plätzen der Stadt insgesamt 500 Überwachungskameras installiert werden.

Gleichwohl sind Sicherheitsexperten von der positiven Entwicklung überrascht. Angesichts der massiven sozialen Gegensätze in der Stadt, der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich sei eigentlich eine gegenläufige Entwicklung zu erwarten, sagte der Soziologieprofessor Andrew Karmen der "New York Times". Entgegen landläufiger Meinung hält er die vielen Zuwanderer für ein ausgleichendes Element. "Viele von ihnen sind von dem Willen getrieben, erfolgreich zu sein", sagt er. "Ich glaube, sie erhalten sich eine positive Einstellung und den Glauben an den amerikanischen Traum."

Freilich kann dies auch empfindlich auf die Probe gestellt werden. Nach wie vor hat die New Yorker Polizei den Ruf, gelegentlich zu hart durchzugreifen. Vor allem die afroamerikanische Bevölkerung hat das Gefühl, oft unnötig kontrolliert oder gar schikaniert zu werden. "Das ist ein Thema, an dem wir weiter arbeiten müssen", räumte Polizeipräsident Kelly kürzlich unumwunden ein. Letztlich, so hofft zumindest Bürgermeister Bloomberg, könnte sogar seine Idee mit den Foto-Handys zur Entspannung beitragen. Wenn die Bevölkerung in den Kampf gegen das Verbrechen eingebunden werde, stärke dies das Vertrauen zwischen Bürger und Polizei, sagte er. (dpa/tc)

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