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Hewlett-Packard schaltet HP-UX 11i in den Turbo-Mode

16.02.2007 | 10:35 Uhr |

Die neue Version des Unix-Derivats bringt höhere Performance, Virtualisierungstechniken und neue Hochverfügbarkeits-Funktionen. Dazu erscheinen gleich die passenden Server.

Von CW-Redakteur Ludger Schmitz

Seit HP-UX 11i im Release v2 erschienen ist, sind mehr als drei Jahre vergangen, in denen Hewlett-Packard diese Unix-Variante mehrmals mit Erweiterungen versehen hat. Die letzte Neuerung dieser Art kam im Dezember 2006. Wesentlicher Grund der langsam erscheinenden Produktpolitik dürften mehrmalige Verzögerungen bei der Freigabe der Itanium-Prozessoren sein, deren Leistungsvermögen HP mit dem neuen Unix-Derivat voll ausnutzen wollte. Doch morgen wird die angekündigte Gesamterneuerung freigegeben: "HP-UX 11i v3".

Das neue HP-Unix eignet sich für Server auf Basis der Itanium- wie der PA-Risc-Prozessoren - allerdings nicht gleichermaßen, denn einige Verbesserungen kommen auf den älteren CPUs aus dem hauseigenen PA-Erbe nicht in vollem Umfang zur Wirkung. An erster Stelle hebt HP "ein besonders hohes Maß an integrierter Virtualisierung und Automatisierung" hervor. In der Tat verfügt das neue System über Eigenschaften, von denen üblicherweise im Kontext von Virtualisierung die Rede ist.

So ist es bei HP-UX 11i v3 möglich, den Prozessen CPUs, Speicher und I/O-Kapazitäten zuzuordnen. Dieses wird anhand vorher definierter Richtlinien (policies) vollzogen und kann sich auch auf bestimmte Situationen, beispielsweise auf Problemkonstellationen, beziehen. Darüber hinaus können Systemadministratoren ad hoc bei Schwierigkeiten manuell eingreifen. Um die dafür notwendige Flexibilität zu erreichen, haben HP-Ingenieure das I/O-Subsystem neu programmiert. Zentrales Element ist dabei die Einführung eines multiplen Datenwegs für I/O-Prozesse. In ganzem Umfang wirksam wird diese Eigenschaft mit dem Chipset "zx2" oder "Titan". Die variable Leitung der Datenflüsse vermeidet Engpässe, erhöht folglich die Verfügbarkeit des Systems und kann Verarbeitungsprozesse beschleunigen.

Weitgehend neu ist auch das Speichersubsystem des Betriebssystems. HP-UX kann nun 100 000 TB Speicher adressieren. Bei der Gelegenheit haben die Softwareingenieure gleich effektivere Compiler eingesetzt. Nach HP-Angaben hatte dies zur Folge, dass der Betriebssystem-Kernel Threads drei- bis viermal schneller abarbeitet als zuvor. Das schlage auf die Gesamt-Performance durch: Version 3 arbeite, so der Anbieter, auf der gleichen Itanium-Maschine (ohne Recompilierung des Codes) durchschnittliche 35 Prozent schneller als das vorausgehende HP-UX-Release. Auf PA-Risc-basierenden Systemen sei der Gewinn nicht ganz so hoch.

Version 3 verfügt über einige Hochverfügbarkeits-Funktionen: Prozessoren und Speicher können im laufenden Betrieb ausgetauscht oder hinzugefügt werden. Vor dem Aufspielen von Patches können Administratoren sie auf einer Online-Kopie des Betriebssystems installieren und testen. Wenn diese Kopie für die Produktion freigegeben wird, muss das System allerdings neu gebootet werden. Patches lassen sich automatisch analysieren. Ebenso erfolgt ein PCI-I/O-Recovery automatisch. Speicher und File-Systeme lassen sich verschlüsseln. Die Administration erfolgt über eine Web-basierende Schnittstelle. Über diese ist es möglich, sämtliche von HP unterstützte Betriebssysteme zentral zu managen.

Kunden mit einem Supportvertrag für HP-UX 11i v2 erhalten das Update auf v3 kostenlos. Für neue Server gibt es das Betriebssystem in drei Varianten. Seine eigentliche Ausführung ("Foundation") kostet 495 Dollar pro CPU-Sockel auf einer Zwei-Wege-Maschine - mit einer Ausnahme: Auf Blade-Servern kostet die Foundation-Ausgabe 150 Dollar pro CPU-Sockel. Die Variante "Enterprise" ist erweitert um das "Virtual Server Environment" für die virtuelle und Hardware-Partitionierungstechnik vpar beziehungsweise npar. Sie kostet 3395 Dollar auf Servern mit zwei bis vier Prozessoren oder 4770 Dollar auf Acht-Wege- und größeren Maschinen. Die Ausgabe "Mission Critical" umfasst "MC Service Guard" für fehlertolerantes Clustering. Sie wird mit 6865 Dollar bei Systemen mit bis zu vier Prozessor-Sockeln und 8240 Dollar bei höherer CPU-Power berechnet.

Mit der letztgenannten Betriebssystem-Variante dürften etliche der zwei neuen HP-Server ausgestattet werden. Denn ihre Eigenschaften lassen vermuten, dass der Anbieter mit ihnen auf Cluster-Umgebungen zielt. Da ist erstens der Server "rx2660". Er ist die "kleine" Variante der im letzten September vorgestellten Server "rx3660" und "rx6660", bietet jedoch erhebliche Leistung zu einem mit 4931 Dollar in der Basisversion aggressiven Preis. Alle drei sind mit dem gleichen Titan-Chipset ausgestattet, welches das neue HP-UX 11i v3 optimal unterstützt.

Der Server kann bis zu zwei der Dual-Core-"Montecito"-Prozessoren aufnehmen. In die Stecksockel passen die Versionen 1,4 Gigahertz/12 MB, 1,6 Gigahertz/6 MB und 1,6 Gigahertz/18 MB. Eine Aufrüstung auf die künftigen "Montvale"-Prozessoren ist möglich. Die Maschine hat wahlweise 1 bis 32 GB Arbeitsspeicher. Selbst in der kleinsten Ausführung mit zwei Höheneinheiten für Racks - es gibt sie auch als Tower- und als besonders leise "Büro"-Version - ist in ihr Platz für bis zu acht SAS-Festplatten, die einen internen Speicher von maximal 1,2 TB Kapazität ermöglichen. Ferner gibt es hier drei PCI-X oder PCI-Express-Slots.

Ferner bringt HP den neuen Blade-Server "BL860c" auf den Markt. Er eignet sich für Chassis der C-Klasse. Das Blade ist voluminös, nämlich acht Höheneinheiten hoch, also rund 36 Zentimeter; acht der Steck-Server passen nebeneinander in eins der (10U hohen) Chassis. Dafür arbeiten auf seinem Motherboard bis zu zwei Dual-Core-Itanium-CPUs mit dem Titan-Chipset zusammen. Der Arbeitsspeicher kann auf 48 GB anwachsen. Es gibt Platz für zwei SAS-Festplatten und drei I/O-Erweiterungskarten. Das Blade läuft mit den Betriebssystemen Windows Server 2003 Enterprise Edition, Red Hat Enterprise Linux AS und ES 4, Suse Linux Enterprise Server 10 und HPs OpenVMS 8.3. Natürlich ist das Blade auch geeignet für HP-UX 11i; das aber vorerst nur in der Variante v2. Bis zur Zertifizierung für v3 werden noch einige Monate vergehen.

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