30964

Herkules: Neue IT und TK für die Bundeswehr kostet über 7 Milliarden Euro

28.11.2006 | 10:29 Uhr |

Unter dem Projektnamen Herkules läuft das Vorhaben, die IT- und TK-Infrastruktur der Bundeswehr auf eine neue, einheitliche Basis zu stellen. Nach jahrelangen Verhandlungen und Fehlschlägen - Toll Collect lässt grüßen - könnte der Bundestag Herkules jetzt tatsächlich beschließen.

Wenn sich die öffentliche Hand an Großprojekte ranwagt, scheinen Pleiten oder zumindest massive Verzögerungen fast schon vorprogrammiert. Die Autobahn-Maut Toll Collect (die PC-WELT berichtete hier und hier ), die mittlerweile aber mehr oder weniger reibungslos arbeitet (wie Sie auch in dieser PC-WELT-News lesen können) und die desaströse Job-Center-Software der Bundesagentur für Arbeit sind die prominentesten Beispiele ( die PC-WELT berichtete hier und hier ). Auch der Münchner Umstieg auf Linux kämpfte mit erheblichen Anlaufschwierigkeiten , scheint aber so langsam in die Gänge zu kommen .

Etwas weniger bekannt ist das Projekt Herkules. Der Name ist aber Programm, denn eine wahre Herkulesarbeit muss das damit vermutlich beauftragte Konsortium, das aus IBM und Siemens Business Services (SBS) besteht, leisten: Es soll die gesamte, mitunter massiv veraltete Telekommunikations- und IT-Ausstattung der Bundeswehr modernisieren und auf eine einheitliche Plattform stellen. Also die alten Daten- und Fernsprechnetze ersetzen, neue Rechenzentren aufbauen und mit neuer Software ausstatten.

Die Rede ist von 140.000 IT-Arbeitsplätzen und 300.000 Festnetztelefonen sowie 15.000 Handys. Mehr oder weniger soll die gesamte nichtmilitärische IT in private Hände gegeben werden. Damit verbunden sind Wartungsaufträge für zehn Jahre. Dafür soll eine IT- und eine Telekommunikationsgesellschaft gegründet werden, an der der Bund 49,9 Prozent und SBS und IBM 50,1 Prozent Anteile besitzen. Rund 3000 Mitarbeiter der Bundeswehr sollen in die neue Gesellschaft wechseln.

Über Herkules diskutieren und verhandeln, Politiker, Experten und Unternehmen schon seit Jahren. Genau gesagt: Seit sieben Jahren. Und sicher sind nur zwei Fakten: Es wird schwierig in der Umsetzung und richtig teuer. Nach den derzeitigen Prognosen werden sich die Kosten auf knapp über sieben Milliarden Euro belaufen. Da solche Projekte erfahrungsgemäß immer teuerer ausfallen als ursprünglich geplant, dürfte der Bund am Schluss vermutlich deutlich mehr hinblättern müssen.

Jetzt steht die Entscheidung über dieses Großprojekt unmittelbar bevor. Am Mittwoch soll der Deutsche Bundestag darüber entscheiden, wie die Financial Times Deutschland berichtet. Beobachter rechnen mit einer großen Mehrheit für Herkules. Wenn nichts mehr dazwischen kommt (das unterlegene Mitbewerberkonsortium aus CSC, EADS und Mobilcom könnte beispielsweise Einspruch einlegen), kann der Vertrag noch 2006 unterzeichnet werden.

Update: Bundeswehrprojekt Herkules wird teurer (PC-WELT Online, 08.09.2006)

Verhandlungen über Herkules für Bundeswehr gescheitert (PC-WELT Online, 02.07.2004)

Bundeswehr noch immer ohne Herkules (PC-WELT Online, 30.06.2004)

0 Kommentare zu diesem Artikel
30964