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Heiße Luft und kalte Dusche: Experten diskutieren über Handy-TV

Die Mobilfunkindustrie legt derzeit große Hoffnungen in das mobile Fernsehen. So sind zwar insbesondere unter den Jugendlichen viele bereit auch über das Handy fern zu sehen, allerdings ist die Zielgruppe nicht sehr finanzkräftig. Dazu kommt, dass die Content-Anbieter noch keine wirklich attraktiven Inhalte anbieten. Ein weiteres Problem ist die Verfügbarkeit von Handys, die die entsprechenden Standards unterstützen. Einige Modelle sind zwar schon auf dem Markt, jedoch noch nicht allzu viele.

Während des "18. Medienforum NRW" konnten die Visionen wieder einmal gar nicht groß genug sein: Fernsehen via Internet und insbesondere Handy-TV sollen den großen Aufschwung bringen. Content-Anbieter, Mobilfunk-Provider und Netzbetreiber erwarten vom Mobile TV bis 2010 einen Anstieg der Nutzer auf 200 Millionen weltweit.

Beschworen wurde es schon lange und die Prognosen der Experten und Marktforscher wurden zuletzt immer günstiger: Handy-TV ist auf dem Vormarsch. Für den MTV-Vizepräsidenten Dieter Gorny führen die Jugendlichen von 14 bis 20 J die Handy-TV Revolution an. Laut einer von MTV in Auftrag gegebenen Studie sollen 2010 die Jugendlichen dieser Welt für mobiles Fernsehen rund 7,6 Milliarden US-Dollar ausgeben. Zugleich hofft Gorny, dass das Einstiegsalter bei der Handy-Nutzung, das gegenwärtig bei rund acht Jahren liegt, noch weiter sinkt.

Diesen Hoffnungen verpasste Veit Siegenheim, bei IBM als "Leader Media & Entertainment" tätig, einen empfindlichen Dämpfer. Das Unternehmen hatte zusammen mit der Universität Bonn eine repräsentative Umfrage mit dem Thema "Wieviel Fernsehen passt auf´s Handy?" durchgeführt. Die Auswertung ergab, dass mobiles Fernsehen derzeit offenbar nur für die oben genannte Zielgruppe interessant ist. 40 Prozent der Jugendlichen möchten es haben und wollen beim nächsten Handy auf dessen Fernsehtauglichkeit achten. Der Rest der Befragten lehnt Handy-TV ab, weil es "ausreichend andere Alternativen zum Fernsehen gibt".

Auch bei der Aufschlüsselung nach Einkommen sieht es für die Mobilindustrie düster aus. 60 Prozent der Befragten, die sich für das mobile TV begeistern, haben weniger als 500 Euro im Monat zur Verfügung. Wer mehr verdient, hat Siegenheim zufolge "den persönlichen Mehrwert noch nicht erkannt" und fragt vielmehr, wozu man mobiles Fernsehen braucht. Das häufig angeführten Beispiel, man könne ja dann die Fußball-WM unterwegs im Stau live mitverfolgen, wurde vom Moderator der Veranstaltung, Medien-Professor Werner Schwaderlapp von der Europa FH Köln , folgendermaßen kommentiert: "Während eines interessanten WM-Spiels gibt es keinen Stau auf der Autobahn".

Die Ergebnisse der Konferenz sehen insgesamt ernüchternd aus. So sind zwar insbesondere unter den Jugendlichen viele bereit auch über das Handy fern zu sehen, allerdings ist die Zielgruppe nicht sehr finanzkräftig. Dazu kommt, dass die Content-Anbieter noch keine wirklich attraktiven Inhalte anbieten. Professor Werner Schwaderlapp warnte vor der irrigen Vorstellung, der Konsument mache sein Handy einfach zum mobilen Fernseher. "Handy-TV ist Fernsehen beim Warten", so seine These. Ein weiteres Problem ist die Verfügbarkeit von Handys, die die entsprechenden, miteinander konkurrierenden Standards unterstützen. Einige Modelle sind zwar schon auf dem Markt, jedoch noch nicht allzu viele.

Ob die WM in Deutschland dem Fernsehen über das Handy den erwarteten Durchbruch bringt, werden die nächsten Monate erweisen. Am 1. Juni, so gaben es debitel und die Firma Mobiles Fernsehen Deutschland bekannt, wird rechtzeitig zur Fußball-WM das mobile Fernsehen via DMB in Berlin, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München an den Start gehen. Zusammen mit dem einzigen bislang in Deutschland verfügbaren DMB-fähigen Handy Samsung SGH-P900 (199 Euro mit Vertrag) soll Handy-TV je nach Vertrag zwischen 9,95 Euro und 14,95 Euro pro Monat zusätzlich kosten.

Auch T-Mobile sendet seit dem 16. Mai alles rund um die Fußball-WM, allerdings nur über UMTS ( AreaMobile berichtete ). Der Fernsehkanal für das Handy kostet 7,50 Euro für eine unbegrenzte Nutzung des MobileTV-Angebots; der Zugang für 24 Stunden kostet 2,00 Euro. Es entstehen keine zusätzlichen Kosten für den Datentransport der Streams. Im Relax XL-Tarif ist die Nutzung von MobileTV bereits enthalten. T-Mobile-Geschäftsführer Philipp Humm rechnet damit, dass sich 25 Prozent der Kunden von T-Mobile fernsehtaugliche Handys zulegen und für den Fernsehkomfort zwischen 10 und 20 Euro Monatsgebühr akzeptieren werden.

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