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Heiß wie ein Atomreaktor?

07.02.2001 | 09:02 Uhr |

Prozessoren werden in den nächsten zehn Jahren leicht Geschwindigkeiten von zehn oder sogar 30 Gigahertz erreichen können, doch das Ganze hat einen Haken: Geht man von der heutigen Technologie aus, werden diese Chips einfach zu heiß für den normalen Betrieb sein.

Prozessoren werden in den nächsten zehn Jahren leicht Geschwindigkeiten von 10 oder sogar 30 Gigahertz erreichen können, doch das Ganze hat einen Haken: Geht man von der heutigen Technologie aus, werden diese Chips einfach zu heiß werden.

Patrick Gelsinger, Vizepräsident und Chef-Techniker bei Intel, bestätigt dies: "Wenn die Ingenieure die Prozessoren weiterhin so bauen, wie sie es momentan tun, werden CPUs sogar noch schneller werden, aber soviel Strom verbrauchen, dass man sie nicht benutzen kann." Er sprach das Problem in dieser Woche auf der "International Solid-State Circuits Conference" an.

Gelsinger bemerkte witzelnd, dass etwa im Jahr 2005 High-Speed-Prozessoren so heiß wie ein "Atomreaktor" sein könnten. Im Jahr 2010 würden sie dann gar die Temperatur "der Sonnenoberfläche" erreichen.

Aber ernsthaft: Wenn die Prozessoren weiterhin jedes Jahr mehr Leistung bringen sollen, müssen Ingenieure einen Weg finden, die Geschwindigkeit zu erhöhen, ohne dadurch mehr Strom zu verbrauchen.

Jede Chipgeneration war schneller als ihr Vorgänger, doch sie war auch größer und benötigte mehr Energie, so Gelsinger. Bislang konnten die Chips mit besseren Lüftern ausreichend kühl gehalten werden, doch in der Zukunft werden diese Techniken nicht mehr ausreichend sein. "Wir wissen nicht, wie man einen 5000-Watt-Prozessor kühlen kann", gibt Gelsinger zu. Außerdem: Selbst wenn größere Lüfter funktionieren würden, würden die Kunden trotzdem kleinere Desktop-Rechner und Notebooks verlangen.

Die Lösung sei, mehr Prozessorleistung aus jedem einzelnen Watt zu pressen, das der Chip verwende. Dies sei die Aufgabe, die den Ingenieuren - von denen viele auf der Konferenz zugegen waren - bevorstehe. Lösungen, die bereits erforscht würden, seien etwa Transistoren mit niedrigem Energieverbrauch, der Gebrauch von Multithread-CPUs, neue L2-Caches und der gleichzeitige Einsatz verschiedener CPUs.

Egal welche Lösung schließlich von Erfolg gekrönt sei, gibt sich Gelsinger positiv: Intel erwarte, Moore's Gesetz aufrecht erhalten zu können. Der Intel-Mitgründer Gordon Moore hatte 1971 vorhergesagt, dass sich die Anzahl von Transistoren auf einer gleichbleibend großen Scheibe Silizium alle zwei Jahre verdoppeln werde.

Gelsinger erwartet, dass zukünftige Desktop-Rechner die Leistung der heutigen, unglaublich teuren Supercomputer bringen werden. Das Problem, was man mit soviel Prozessorleistung eigentlich anfangen soll, stellt sich laut Gelsinger nicht. Gute Ideen gebe es reichlich, etwa in den Bereichen Netzwerk, Verschlüsselung, Spracherkennung oder das Erkennen von dreidimensionalen Gesten. Das Wichtigste, so Gelsinger, sei die Weiterentwicklung der Art, wie wir mit unseren PCs umgehen. "Die Schnittstelle Mensch-Maschine wird sich verändern. Heute gewöhnen wir uns an bestimmte Dinge, in der Zukunft werden die Rechner es tun." (PC-WELT, 06.02.2001, lmd)

Super-Strom-Spar-Chips von Intel (PC-WELT Online, 31.01.2001)

IBM baut Linux-Supercomputer (PC-WELT Online, 17.01.2001)

Superrechner von Shell und IBM (PC-WELT Online, 12.12.2000)

Fujitsu-Siemens: Schutz vor Hitzetod (PC-WELT Online, 18.01.2001)

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