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Heimliches Psychologie-Experiment mit 690.000 Facebook-Nutzern durchgeführt

30.06.2014 | 10:13 Uhr |

Das Bekanntwerden eines geheimen Experiments, für das Facebook ungefragt 690.000 seiner Nutzer zur Verfügung gestellt hat, sorgt derzeit für Aufregung. Einer der Forscher beschwichtigt: Das war doch nur eine Woche.

Facebook soll rund 690.000 seiner Nutzer ungefragt an einem Psychologie-Experiment teilnehmen haben lassen. Das berichtet thenextweb.com unter Bezugnahme auf den veröffentlichten Forschungsbericht . Facebook habe herausfinden wollen, ob man die Postings von Nutzern durch das Wecken von Emotionen beeinflussen könne. Darum habe man einem Teil der 690.000 Nutzer überwiegend positive Statusmeldungen angezeigt, einem anderen Teil eher bedrückende, ernste oder traurige Meldungen. Die Meldungen selbst, betont der Bericht, seien nicht manipuliert worden. Vielmehr nahm Facebook offenbar Einfluss auf den Algorithmus namens "Hauptmeldungen", welcher abonnierte Facebook-Meldungen für Sie sortiert. Die Einstellung ist standardmäßig auf "Hauptmeldungen" gesetzt - wer alle abonnierten Meldungen in zeitlicher Abfolge sehen möchte, muss im Drop-Down-Menü unter seinem Namen oben links bei "Neuigkeiten" auf "Neueste Meldungen" klicken. Im Experiment korrigierte Facebook den besagten Algorithmus so, dass je nach Experimental-Gruppe überwiegend positive oder negative Meldungen eingeblendet wurden.

Das Ergebnis des Experiments: Der Grundton (positiv oder negativ) der vorherrschenden Statusmeldungen überträgt sich auf die eigenen Meldungen. Wer also überwiegend fröhliche oder lustige Meldungen auf Facebook sieht, neige dazu, selbst solche Meldungen zu veröffentlichen.

Kritik an der Facebook-Studie

Viele Nutzer fühlen sich von Facebook betrogen, weil sie eventuell ohne ihr Wissen an einem Experiment teilgenommen haben. In einem Interview mit dem Business Insider soll sogar eine am Experiment mitwirkende Professorin eingeräumt haben, dass sie die Sorgen der Nutzer gut verstehen könne. Trotzdem, so der Business Insider, sei alles legal verlaufen, da die Nutzer solchen Experimenten mit der Zustimmung der AGB ihr Einverständnis gäben. Einer der Forscher verteidigt seine Arbeit per Facebook-Post . Es tue im Leid, dass sie teilweise große Aufregung verursacht habe. Der Test sei aber nur bei einem sehr geringen Prozentsatz der Nutzer und schon 2012 nur eine Woche lang durchgeführt worden. Außerdem nennt er als Motivation zu seiner Arbeit, die Sorge, dass Nutzer, welche zu häufig negative Inhalte auf Facebook zu Lesen bekommen, dem Netzwerk irgendwann fernbleiben könnten. Das Experiment wurde übrigens nur bei Nutzern durchgeführt, wenn diese Englisch als ihre Sprache eingestellt haben, sagt Facebook.

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