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Heimlicher Zugriff auf Ihre Webcam für einen Dollar

21.06.2013 | 16:51 Uhr |

Integrierte Webcams gefährden die Privatsphäre vieler Internet-Nutzer. Der heimliche Blick durch die Webcam einer Frau kostet auf Untergrundmarktplätzen nur einen Dollar. Bei Männern gibt es das bereits für einen Bruchteil dieses Preises.

Eine Untersuchung des britischen Radiosenders BBC 5 zeigt, dass viele Internet-Nutzer mit Hilfe ihrer Webcams bespitzelt werden. Doch es sind nicht Geheimdienste, sondern oft Jugendliche, die sich einen Spaß daraus machen andere heimlich zu beobachten. Sie teilen Fotos und Videos, die sie mit fremden Webcams gemacht haben, mit anderen. Sie verkaufen sogar den Zugriff auf Webcams ahnungsloser Internet-Nutzer. Dabei kostet der Zugriff auf die Webcam einer Frau im Durchschnitt einen US-Dollar. Für den gleichen Preis kann man 100 Männer beobachten.

Ermöglicht wird dies etwa durch eingeschleuste Malware oder schlicht durch Nachlässigkeit der Benutzer. Veraltete Software-Versionen sind einmal mehr Teil des Problems. So hat Adobe bereits 2011, mit Flash Player 10.3, den Einstellungsmanager für den Flash Player von einer Seite auf der Macromedia-Website auf den lokalen Rechner verlagert (Windows Systemsteuerung). Bis dahin konnte eine präparierte Web-Seite mit einem so genannten Click-Jacking-Angriff den Zugriff auf Kamera und Mikrofon eines Benutzers unbemerkt freischalten.

In Googles Web-Browser Chrome funktionierte dieser Trick sogar noch bis vor ein paar Tagen. Google hat diese Schwachstelle im Zusammenspiel mit dem integrierten Flash Player erst am 18. Juni 2013 mit Chrome 27.0.1453.116 beseitigt.

In einem Interview der BBC mit einem jugendlichen Täter hat dieser keinerlei Unrechtsbewusstsein gezeigt. Der 17 Jahre alte Finne hat sich Zugriff auf etwa 500 Computer verschafft und die Möglichkeit deren Webcams zu steuern an andere verkauft. Das Risiko erwischt und bestraft zu werden hält er für gering. Tatsächlich handelt es um eine Straftat, die staatsanwaltliche Ermittlungen, ein Gerichtsverfahren und eine harte Strafe nach sich ziehen kann.

Ratgeber: So belauschen Hacker Sie über Ihre Webcam

Der finnische Antivirushersteller F-Secure berichtet in seinem Blog über die Untersuchung der BBC und empfiehlt das Naheliegende: decken Sie Ihre Webcam, egal ob extern oder im Notebook eingebaut, mit einem Pflaster oder Klebeband ab. Unser Zusatztipp: wenn Sie das Klebeband an einer Seite umfalten, haben Sie einen Griff, mit dem Sie die Kamera bei Bedarf leicht wieder freilegen können. Die Webcam per Software abzuschalten ist keine ausreichende Lösung, denn das kann durch andere Software, etwa Malware, wieder rückgängig gemacht werden, ohne dass Sie es bemerken.

Vergessen Sie nicht, diese Maßnahme auch beim Rechner Ihres Kindes durchzuführen. Es soll ja Menschen geben, die sich besonders dafür interessieren heimlich Kinder zu beobachten. Die sind womöglich bereit Geld dafür zu zahlen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber.

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