Heilige Datenübertragung

Neue Religion lobpreist das Filesharing - Copy & Paste wird heilig

Freitag den 11.05.2012 um 12:10 Uhr

von Christoph Supguth

Die Tastenkürzel Strg+C und Strg+V sind für die Kompimisten ein heiliges Ritual.
Vergrößern Die Tastenkürzel Strg+C und Strg+V sind für die Kompimisten ein heiliges Ritual.
Religionen haben skurrilen Zuwachs erhalten. Schweden hat die missionarische Kirche des Kopimismus zur offiziellen Religion erklärt. Statt zu beten, lobpreisen die digitalen Jünger per Datentausch.
Das Filesharing eines Tages zu einer heiligen Tugend erklärt wird, konnten sich wohl die wenigsten vorstellen, selbst in Zeiten der Religionsfreiheit. Tatsächlich gibt es seit Ende letzten Jahres eine solche offiziell anerkannte religiöse Gemeinschaft in Schweden. Anhänger der missionarischen Kirche des Kopimismus (Schwedisch: Det Missionerande Kopimistsamdfundet ) glauben, dass das Kopieren und die Verbreitung von Informationen ein ethisches Recht ist. Dabei sei das Mischen von mehreren Quellen sogar noch heiliger, als nur das Kopieren.
Symbol der Kopimisten
Vergrößern Symbol der Kopimisten

Der Name Kopimismus wurde von "copy me" abgeleitet. Statt eines Kreuzes verwenden die sogenannten Kopimisten unter anderem, das aus China stammende Yin und Yan Symbol, in dem der weiße und schwarze Punkt durch die Tastenkombinationen Strg+C und Strg+V ersetzt wurde. Oft zu sehen ist auch ein Dreieck, indem ein K und je nach Land verschieden Varianten zu sehen sind. Oben ist etwa das Symbol der kanadischen Kopimisten zu sehen. Das Dreieck ist dort mit binärem und genetischem Codes geschmückt, sowie die heiligen Symbole Strg+C und Strg+V und das kanadische Ahornblatt.

Damit in Schweden eine Gemeinschaft als Religion zugelassen werden kann, muss die Kirche rituelle Formen angeben, wie etwa in der Kirche das Gebet. Die Kopimisten erklärten kurzerhand, sie würden den Wert von Informationen lobpreisen, indem sie diese kopieren. Die digitale Religion bezeichnet dies als "kopyacting". Hauptinitiator der neuen Religion ist der Philosophiestudent und Mitglied der schwedischen Piratenpartei Isak Gerson.

Eine Freibrief für Urheberrechtsverletzungen bedeutet das aber nicht. Aufgrund der rechtlichen Anerkennung der Gemeinschaft als Religion könnten entsprechende Ermittlungen allerdings erschwert werden. Die Gesetze der Religionsfreiheit bieten den religiösen Institutionen besonderen Schutz. So dürfen etwa Gespräche mit einem Priester nicht abgehört werden und sind vor Gericht unzulässig.

Freitag den 11.05.2012 um 12:10 Uhr

von Christoph Supguth

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