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Anti-Zensur-Software für Iran nutzlos

20.09.2010 | 11:21 Uhr |

Haystack ist der Name einer Anti-Zensur-Software, die ein Programmierer in San Francisco entwickelte, um Iranern im Kampf gegen die Zensurmaßnahmen ihrer Regierung zu unterstützen. Von dem virtuellen Heuhaufen, in dem sich die Internetuser wohl verstecken hätten sollen, ist nun nicht viel übrig geblieben: Nach breiter Kritik von anderen Entwicklern an der Funktionsfähigkeit des Programms, zog Haystack-Programmierer Austin Heap die Software zurück, berichtet der Guardian.

Viele der Kritikpunkte hätten ihre Berechtigung gehabt, kommentierte Heap. Er hat seine User aufgefordert, das Programm nicht weiterhin zu benutzen. Der Druck auf den Entwickler war in den vergangenen Monaten gestiegen. Unterschiedliche Internetexperten haben versucht, die Funktionsfähigkeit der Software zu testen, der Zugang zu den Daten wurde ihnen jedoch verwehrt.

Keine Anonymisierung

Schließlich gelang es dann doch, an die erforderlichen Informationen zu kommen und das Urteil der Experten ist vernichtend. Anstatt User anonym zu machen, könnten stattdessen essenzielle Informationen von den Behörden eingesehen werden. Daniel Colascione, der ebenfalls an Haystack gearbeitet hatte, gesteht die Fehler ebenfalls ein. Die Software ist jedoch auch nicht für die breite Nutzung vorgesehen gewesen. Es habe sich lediglich um eine Testversion gehandelt, gibt er zu bedenken.

Die Idee hinter Haystack war es, Kommunikationsvorgänge als unauffällige Daten zu verpacken und somit die Zensurprogramme der Regierung nicht zu alarmieren. So sollten Iraner E-Mail und Twitter wieder bedenkenlos nutzen können. Kritik kam jedoch bereits auf, als erste Versionen im Iran getestet wurden. Nach unterschiedlichen Berichten war es unmöglich, die staatliche Firewall zu durchbrechen.

(pte)

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