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Hat IBM die Nazis unterstützt?

12.02.2001 | 17:08 Uhr |

In den USA wird heute ein Aufsehen erregendes Buch veröffentlicht, das sensationelle Enthüllungen über die Zusammenarbeit des IBM-Konzerns mit der Regierung des dritten Reiches enthalten soll. IBM habe dem Buch zufolge mit den Nationalsozialisten kooperiert, als der Konzern bislang zugegeben hat.

In den USA wird heute ein Aufsehen erregendes Buch veröffentlicht, das sensationelle Enthüllungen über die Zusammenarbeit des IBM-Konzerns mit der Regierung des dritten Reiches enthalten soll. IBM habe dem Buch zufolge mit den Nationalsozialisten zusammen gearbeitet.

Der Titel des Buches: "IBM and the Holocaust: The Strategic Alliance Between Nazi Germany and Americas Most Powerful Corporation", erscheint im Crown Publishers-Verlag, der zum Bertelsmann-Konzern gehört. Autor Edwin Black versucht darin nachzuweisen, dass der amerikanische Technologiekonzern mittels seiner europäischen Tochterunternehmen enger mit den Nationalsozialisten kooperiert hat, als er bisher zugegeben hat.

Der Massenmord in Nazi-Deutschland wurde nicht nur mit deutscher Präzision durchgeführt, sondern auch mit geradezu preußischen Akribie verbucht und verwaltet. Dies sei mit Hilfe von Hollerith-Lochkartenmaschinen geschehen, die wiederum IBM geliefert habe.

Seit dem Machtantritt Hitlers seien IBM-Produkte zur statistischen Erfassung jüdischer Mitbürger benutzt worden. Das Ungeheuere an dieser Zusammenarbeit sieht der Autor des Buches allerdings darin, dass IBM den Kontakt und damit die Lieferung und Wartung dieser Karten auch nach Kriegsausbruch noch aufrecht erhalten habe. Mit Hilfe seiner Schweizer Europa-Zentrale habe IBM die Deutsche Hollerith-Maschinen-Gesellschaft (Dehomag) weitergeführt. Die Dehomag wurde dazu von einem Treuhänder in enger Absprache mit der US-Konzernzentrale geleitet.

Um die Lochkartenmaschinen zu warten, seien Techniker der Dehomag sogar in die Konzentrationslager gereist. Im Konzentrationslager Dachau wurde nach Kriegsende "eine Hollerith-Maschine modernster Bauart" gefunden.

Im internen IBM-Verkaufsplan machte die deutsche Filiale die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Und auch während des Krieges belegte der deutsche Umsatz den zweiten Rang im Gesamtumsatz von IBM. Der damalige Chef von IBM, Thomas J. Watson, sei ursprünglich ein begeisterter Befürworter des Nazi-Regimes gewesen und dafür mit mehreren Orden geehrt worden. Später hat er allerdings alle ihm von den Nazis überreichten Auszeichnungen öffentlich zurück gegeben.

Nun könnte IBM von seiner braunen Vergangenheit eingeholt werden - und das könnte teuer werden. Denn in den USA drohen Schadensersatzklagen in Milliardenhöhe. Fünf Überlebende des Holocaust haben bereits Klage eingereicht, da IBM bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit Unterstützung geleistet habe. Carol Makovich, IBMs Vizepräsidentin wollte dazu noch nicht Stellung nehmen, da sie den Inhalt der Klageschrift noch nicht gesehen habe.

Makovich gab zwar zu, dass IBM 84 Prozent von der Dehomag bei Kriegseintritt der USA besessen habe. Tatsächlich habe der Konzern aber keine Kontrolle mehr über das deutsche Tochterunternehmen ausüben können. Viele Unterlagen aus dieser Zeit seien zudem unvollständig oder verloren.

Der deutsche Titel des Buches von Edwin Black lautet "IBM und der Holocaust" und erscheint im Propyläen Verlag Berlin. Preis: 59,90 Mark. (PC-WELT, 12.02.2001, hc)

www.ibm.com

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