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Open-Source-Entwickler kritisiert Palm

04.10.2009 | 15:51 Uhr |

Der Open-Source-Entwickler Jamie Zawinski, einst Netscape-Mitentwickler und seinen Tagebüchern zufolge Erfinder des Begriffs Mozilla, hat in seinem Blog seinen Ärger über Palms Prüfprozess für den App Catalog zum Ausdruck gebracht.

Wie er berichtet, ist es ihm seit Juli nicht gelungen, zwei Open-Source-Programme für webOS zur Veröffentlichung zu bringen. Zwar habe er einigen absurden Palm-Forderungen entsprochen, doch ein Problem scheint kaum lösbar. Nach den Nutzungsbedingungen für Palms Software Development Kit (SDK) dürfen Applikationen ausschließlich über den offiziellen Shop angeboten werden - was nicht im Sinne des Open-Source-Prinzips ist. Zawinski wollte mit "Tip Calculator" und "Dali Clock" zwei Applikationen für webOS veröffentlichen. Seinen Angaben zufolge gab es seitens Palm diverse teils absurde Bedingungen, denen er sich gebeugt hat - etwa, dass Programmversionsnummern kleiner als 1.0 sein müssen. Doch dann hat das Unternehmen gefordert, dass die Applikation nur im Store verfügbar sein soll und nicht auch über seine Webseite - obwohl die freie Weitergabe Teil des Open-Source-Ethos ist. Zwar habe ihm laut Zaminski ein Palm-Mitarbeiter mitgeteilt, dass das Unternehmen die Bereitstellung von Quellcode nicht einschränken wolle.

Allerdings heißt es in den SDK-Lizenzbedingungen noch klar unter Punkt 4.3: "Applikationen können nur über den Palm Application Catalog vertrieben werden." Ebenfalls verärgert hat Zawinski, dass schließlich ein PayPal-"Verified"-Account gefordert wurde - denn der Entwickler misstraut PayPal. Derzeit ist auf den offiziellen webOS-Entwicklerseiten aber kein Hinweis darauf zu finden, dass ein solches PayPal-Account zum Veröffentlichen von Applikationen erforderlich wäre.

Als obskur bezeichnet IDC-Analyst Rüdiger Spies den ganzen Vorgang. "Es scheint, als könnte sich Palm nicht vorstellen, dass jemand Open Source für webOS unter diesem Agreement anbieten will", meint er gegenüber pressetext. Zawinski jedenfalls wirft Palm vor, sich von der einstigen Offenheit eines PalmOS zu verabschieden und bei webOS eher in Apples Fußstapfen zu treten. Das kann auch Spies nachvollziehen, der darin einen potenziell wesentlichen Strategiefehler ortet. Palm wäre gut beraten, sich daran zu halten ein Unternehmen zu sein, mit dem man leicht Geschäfte machen kann. "Nur das wird die Kunden zufrieden halten. Alle komplizierten Maßnahmen und Einschränkungen führen gerade im Consumer-Markt zu einem Umschlagen der Stimmung und damit zu weniger Geschäft", betont der Analyst.

Während Zawinski der webOS-Entwicklung zunächst abgeschworen hat, ist man bei Palm bemüht den Eindruck zu vermeiden, man sei nicht an den Entwicklern interessiert. "Wir haben bei der Kommunikation mit Jamie offensichtlich Mist gebaut", meint Ben Galbraith von Palms Developer Relations Team in seinem Blog. Er betont, dass das Entwicklerprogramm sich immer noch im Betastadium befinde und das Feedback von Teilnehmern wertvoll für die weitere Gestaltung sei. Man werde reparieren, was nicht funktioniert. Mit Zawinski will man sich abseits der Öffentlichkeit weiter unterhalten - ein Blogeintrag sei nicht der richtige Ort, um über all die von ihm angesprochenen Probleme zu reden, so Galbraith. (pte)

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