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Tiffany verklagt Ebay

27.11.2007 | 14:46 Uhr |

Das bekannte New Yorker Juweliergeschäft Tiffany hat Ebay verklagt, weil dort immer noch in großem Ausmaß Fälschungen von Tiffany-Waren angeboten würden. Tiffany will Ebay mit der Klage dazu zwingen, derartige Auktionen zu sperren und sein Geschäftsmodell von Grund auf zu überdenken.

Seit Jahren sieht sich Ebay selbst nur als ein Online-Markplatz, der Käufer und Verkäufer verbindet. Diese Selbstdarstellung versucht das Juwelierhaus Tiffany & Co vor einem Gericht in Manhatten zu widerlegen und behauptet, dass das Online-Auktionshaus weit mehr als nur ein Vermittler sei. Vielmehr sei Ebay ein Netzwerk, dass den Handel mit nachgemachten Artikeln erlaubt.

Tiffany hat Ebay verklagt, weil dort immer noch in großem Ausmaß Fälschungen von Tiffany-Waren angeboten würden. Die endgültige Gerichtsentscheidung im Fall steht noch aus. Richter Richard Sullivan beauftragte beide Parteien bis zum 7. Dezember zu weiteren Stellungsnahmen.

Sollte Tiffany das Gerichtsverfahren für sich entscheiden, könnten neue Klagen auf Ebay zukommen. Aber nicht nur das: Das Ebay-Geschäftsmodell könnte in arge Bedrängnis geraten. Das Auktionshaus müsste eine Webseite überwachen, auf der weltweit 248 Millionen User angemeldet sind und zu bestimmten Zeiten etwa 100 Millionen Artikel gleichzeitig verkauft werden.

Die Plagiate auszusortieren, könnte das Unternehmen extrem teuer zu stehen kommen. Tiffany will Ebay mit der Klage dazu zwingen, derartige Auktionen zu sperren und das Geschäftsmodell von Grund auf zu überdenken.

Hani Durzy, ein Sprecher von Ebay sagte, dass das Unternehmen nicht dafür verantwortlich ist, jedes Produkt auf der Webseite auf Echtheit zu prüfen. "Als ein Marktplatz besitzen wir die Gegenstände nicht, die auf unseren Seiten verkauft werden. Es wäre also unmöglich für uns die Echtheit nachzuweisen", sagte Durzy. "Wir versuchen bereits alles vom Gesetz geforderte, um Plagiate aus unserer Seite zu nehmen."

Der Anwalt von Tiffany James B. Swire sagte, dass Ebay auf seiner Homepage mit Tiffany-Schmuck werbe und demnach "durch die Marke profitiere". Ebay müsse deshalb wegen Urheberrechtsverletzungen haftbar gemacht werden. Bruce Rich, ein Rechtsvertreter von Ebay, sieht das anderes: Das Unternehmen hat seine Verpflichtung gegenüber der angeboten Ware nicht vernachlässigt, jedoch hat nur Tiffany das nötige Expertenwissen um Plagiate in den angebotenen Produkten zu erkennen.

Plagiate werden überall verkauft, doch besonders das Internet macht es den Verkäufern leicht. Ebay hat sich über die Jahre zum neuen zentralen Marktplatz entwickelt.

"Nur weil Ebay sein Geschäftsmodell so gestrickt hat, dass es extrem schwer ist die verkaufte Ware zu überprüfen, gilt das noch lange nicht als Schutz", sagt Anwalt Geoffrey Potter. Sollte das Gericht das Auktionshaus für schuldig befinden, seine Ware wie traditionelle Einkaufsmärkte auf Qualität und Echtheit zu prüfen, glaubt Potter das Ebay entweder alle Luxus-Artikel aus dem Regal nimmt, oder sein Geschäftsmodell radikal ändert.

"Die Wahrheit ist: Wenn Ebay wirklich Tiffany-Plagiate aus seiner Seite nehmen will, dann können sie es auch", sagt Potter. Immerhin schafft es Ebay auch andere illegale Waren von seinen Seiten fernzuhalten.

Es ist nicht das erste Mal, das Tiffany das Auktionshaus Ebay verklagt: Zwischen 2003 und 2004 erwirkte das Unternehmen den Abbruch von etwa 19.000 Auktionen. In dieser Zeit hatten Mitarbeiter des Unternehmens nach dem Zufallsprinzip 186 Tiffany-Angebote bei eBay ersteigert. 73 Prozent davon waren laut damaliger Klageschrift Fälschungen.

In einem ähnlichen Fall hatte der Uhrenhersteller Rolex den deutschsprachigen Ableger Ebay.de verklagt. Das Landgericht Düsseldorf entschied Oktober 2002 jedoch, dass Ebay rechtlich nicht für den Vertrieb von gefälschten Markenprodukten per Online-Versteigerung verantwortlich ist.

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