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Premiere will Schwarzseher verklagen

05.05.2008 | 15:03 Uhr |

Im Kampf gegen Schwarzseher legt der Bezahlsender Premiere eine härtere Gangart ein: So sollen künftig auch Privatpersonen, die das Pay-TV gratis nutzen, mit Schadenersatzforderungen rechnen müssen.

Premiere hat vor dem Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung gegen einen Importeur von patchbaren "Free-to-Air-Receivern" erwirkt. Demnach ist es dem Importeur Zehnder unter Androhung eines Ordnungsgelds in Höhe von 250.000 Euro oder sechs Monaten Haft "verboten, Digitalreceiver, deren Firmware (Betriebssoftware) einen sog. Emulator enthält, der das Vorhandensein einer Smartcard simuliert, und die dadurch zusammen mit einer verfügbaren Software die Umgehung des Zugangskontrollsystems der Antragstellerin ermöglichen, herzustellen, einzuführen, zu verbreiten, zu verkaufen, zu gewerblichen Zwecken zu besitzen und/oder deren Absatz zu fördern (Ziffer I. der Einstweiligen Verfügung)."

Darüber hinaus muss das Unternehmen "sämtliche in ihrem Besitz befindlichen, unter Ziffer I. bezeichneten Receiver, zur Sicherstellung und Verwahrung an den zuständigen Gerichtsvollzieher" herausgeben.

Laut Premiere waren die patchbaren Receiver ab Werk technisch darauf vorbereitet, das Angebot des Senders illegal empfangen zu können. Hierfür emulieren diese Geräte beispielsweise Smart-Cards, die nötigen Schlüssel - an die man per Internet gelangt - können dann via PC und Kabelverbindung auf den Receiver gespielt werden und der Sender ist frei geschaltet.

Neben dem Importeur und dessen Vertriebspartnern sollen nun auch die eigentlichen Schwarzseher mit Verfolgung rechnen müssen: "Premiere lässt nun sämtliche Vertriebswege des Importeurs bis zum Endkunden verfolgen, um die illegale Nutzung dieser Geräte zu unterbinden und gegen alle beteiligten Personen, die diese Receiver ver- oder gekauft haben, juristisch vorzugehen." Entsprechende Schadenersatzklagen gegen den Importeur und alle an dem Handel beteiligten Personen (auch Privatpersonen) bereitet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge bereits vor. Allerdings dürfte es in der Praxis schwierig sein, an Daten der Endkunden zu kommen, außer die Käufer haben sich aus welchen Gründen auch immer beim Verkäufer der Receiver registriert.

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