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Hacken aus Protest nimmt zu

08.05.2008 | 15:12 Uhr |

Politisch motivierte Proteste werden immer mehr ins Internet verlagert. Die Angriffe aus politischen oder sozialen Motiven sind nicht auf Geld aus, können aber dennoch erhebliche Schäden anrichten .

Oft geht es bei Angriffen auf Web-Server um Datenklau oder Erpressung, letztlich um finanzielle Interessen der Angreifer oder ihrer Auftraggeber. Das Sicherheitsunternehmen Trend Micro verzeichnet jedoch auch einen Anstieg bei politisch oder sozial motivierte Hacker-Angriffen. Die als "Hactivism" bezeichnete Mischung aus Hacking und politisch-sozialem Aktivismus ist zwar kein neues Phänomen, gewinnt jedoch in letzter immer mehr Bedeutung. Die im Zuge der Olympischen Spiele in China in das Interesse der Weltöffentlichkeit gerückte Situation in Tibet oder der Vorwahlkampf in den USA haben dieser Entwicklung Vorschub geleistet.

Zum Arsenal der Hacktivisten gehören etwa die Verunstaltung von Websites ("Defacements"), DoS-Angriffe (Denial of Service), Umleitungen auf andere Web-Server (Beispiel: Obama - Clinton) oder Website-Parodien. So gab es im letzten Jahr heftige Angriffe auf die Internet-Infrastruktur Estlands und vor wenigen Tagen war Radio Free Europe / Radio Liberty Ziel von DoS-Angriffen mit bis zu 50.000 vorgetäuschten Zugriffen in der Sekunde.

Raimund Genes, CTO von Trend Micro, berichtet in seinem aktuellen Videocast über ein Tool namens "AntiCNN.exe", das sich chinesische Nationalisten auf ihren PC laden können, um die Website des US-Senders CNN anzugreifen. Hier werden also nicht etwa die Rechner nichts ahnender Anwender missbraucht - vielmehr weiß jeder, der das Programm ausführt, ganz genau, wozu es dient.

Paul Ferguson erklärt die aktuelle Zunahme im Blog von Trend Micro mit der leichten Verfügbarkeit geeigneter Angriffswerkzeuge und dem anhaltenden Trend zur sozialen Vernetzung im Internet. Diese biete Plattformen, um sich über gemeinsame Ziele zu verständigen, wenn politische oder soziale Unruhen Anlass und Gelegenheit böten.

Ferguson sieht darin eine beunruhigende Entwicklung, deren Kollateraleffekte zu einer Gefahr für die Funktionsfähigkeit des Internet werden könnten.

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