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Hacker wegen Verkaufs erschlichener VoIP-Dienstleistungen angeklagt

08.06.2006 | 10:29 Uhr |

In den USA muss sich ein 23-Jähriger vor Gericht wegen des Diebstahls und Verkaufs von Zeitkontingenten für VoIP-Gespräche verantworten. Der Mann hatte mit einem Komplizen die Netzwerke von 15 VoIP-Firmen geknackt und konnte so Gespräche unbemerkt über die fremden Netze leiten. Die Gesprächsminuten verkauften die Betrüger weit unter normalen Preisen.

Neue Geschäftsfelder in der IT-Branche rufen meist kurze Zeit später auch Missetäter auf den Plan, die sich an den neuen Modellen bereichern wollen - illegal versteht sich. Die Internet-Telefonie (VoIP) ist ein solches Feld. Nun wurden in den USA zwei Männer angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, die Netzwerke von 15 VoIP-Unternehmen geknackt zu haben und so - unbemerkt von den Firmen - Gespräche über deren Leitungen laufen zu lassen, für die nichts berechnet wurden. Die Männer sollen die so erbeuteten Gesprächsminuten über eigene Websites weit unter Preis weiterverkauft haben. Laut dem FBI ein Millionengeschäft.

Den Ermittlungen der Bundesbehörde zufolge hat der mutmaßliche Hauptverantwortliche Edwin P. dem Hacker Robert M. 20.000 Dollar gezahlt, damit dieser eine Möglichkeit findet, VoIP-Gespräche gratis und unbemerkt über Fremdnetze zu führen. Dies ist M. dem FBI zufolge auch gelungen, mehr als 10 Millionen Gesprächsminuten sollen zu Preisen ab 0,4 US-Cent je Minute über zwei Firmen von P. verkauft worden sein.

Um ihre Spuren zu verwischen sollen die beiden Männer ein Server-Netz errichtet haben. Dann wurden laut dem zuständigen Staatsanwalt die VoIP-Anbieter mit Testanrufen "überflutet", um die jeweiligen, proprietären Prefix-Codes herauszufinden, die legitime Anrufe über ein Netz kennzeichnen. Nachdem die Codes entschlüsselt waren, konnten die Männer kostenlos Gespräche über die geknackten Netzwerke leiten.

Dennoch ist ihnen das FBI auf die Spur gekommen. "Sie dachten, dass sie ein brillantes, kostenloses Telefonnetzwerk für sich entwickelt haben", so FBI Special Agent Charge Leslie Wiser Jr.. Und weiter: "Sie haben falsch gedacht." Wie die Behörden auf den Fall aufmerksam wurden und wie die beiden Männer erwischt wurden, verriet das FBI allerdings nicht.

Der Verkauf der auf diese Weise erbeuteten Gesprächsminuten erwies sich offenbar als lohnendes Geschäft. Dem Staatsanwalt zufolge erzielte P. über eine Million Dollar Gewinn, wovon er sich unter anderem ein Haus, ein Motorboot (13 Meter Länge) sowie einen BMW M3 gönnte. Welches Strafmaß den beiden Angeklagten bei einer Verurteilung droht, ist derzeit noch nicht bekannt.

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