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Hacker können Scharfschützengewehr fremdsteuern

30.07.2015 | 16:10 Uhr |

Das Shotview Targeting System ist ein Scharfschützengewehr, das sein Ziel selbstständig anvisiert und feuert, sobald der optimale Zeitpunkt gekommen ist. Doch Hacker können via WLAN die Kontrolle über das intelligente Gewehr übernehmen.

Das Unternehmen TrackingPoint verkauft mit dem Shotview Targeting System ein Scharfschützengewehr, bei dem unbeteiligte Nicht-Schützen durch die Ziel-Optik beim Schuss zusehen können. Die Verbindung zwischen dem ShotView-Gewehr und den Smartphones, Tablets oder SmartTV der Zuschauer erfolgt via WLAN oder 4G-Mobilfunkverbindung.

Dieses Shotview-Gewehr kann aber noch mehr. Es besitzt nämlich einen Computer, der die Zielführung übernimmt. Dann hat man faktisch ein selbstzielendes Gewehr mit Internetanschluss. Und an diesem Punkt wird das Ganze für Hacker interessant.

Denn Sicherheits-Experten haben jetzt vorgeführt, wie man ein solchen hochautomatisiertes Scharfschützengewehr mit integriertem Computer hacken kann. Um es außer Gefecht zu setzen. Oder noch schlimmer: Um es auf ein anderes Ziel feuern zu lassen, als der Schütze eigentlich will. Das berichtet die US-Technik-Webseite Wired.

Die Sicherheitsexperten Runa Sandvik und Michael Auger haben sich ein Jahr lang mit einem 13.000 Dollar teuren selbst-zielenden TrackingPoint-Scharfschützen-Gewehr beschäftigt. Mit dem fatalen Ergebnis: Hacker können über die WLAN-Verbindung in die Software des intelligenten Schießprügels eindringen, indem sie darin steckende Sicherheitslücken ausnutzen. Und dann die Kontrolle über die Zielführung übernehmen. Die Hacker können Variablen derart manipulieren, dass das Gewehr daneben schießt. Und es sogar dauerhaft unschädlich machen. Schwerter zu Pflugscharen, sozusagen.

Besonders perfide aber: Die Hacker könnten das Gewehr sogar derart manipulieren, dass es auf ein anderes Ziel feuert, als der bedienende Schütze eigentlich anvisiert. Der Hacker kann jedoch das Gewehr nicht selbst abfeuern, wie die Sicherheitsexperten betonen. Denn der Abzug muss in jedem Fall manuell betätigt werden.

Das Tracking Point Shotview-Gewehr verwendet Linux als Betriebssystem. Bis jetzt hat der Hersteller über 1000 Exemplare dieser intelligenten Hightech-Knarre verkauft. Der Schütze legt nur noch das Ziel fest und gibt einige Parameter wie beispielsweise das Gewicht der Munition ein. Das Gewehr visiert das vorgegebene Ziel dann an und sobald der Schütze den Abzug drückt, übernimmt der Computer das eigentlich Feuern. Der eingebaute Computer entscheidet, wann der beste Moment für das Abfeuern gekommen ist, das Gewehr schießt dann die Kugel vollautomatisch ins Ziel. Selbst ein unerfahrener Schütze sollte damit zuverlässig ins Schwarze treffen.

Sicherheits-Update kommt per USB-Stick

Der TrackingPoint-Gründer John McHale hat im Gespräch mit Wired zugesichert, dass man zusammen mit den beiden Sicherheitsexperten ein Update entwickeln wolle, das die Lücken schließt. Dieses Update soll den Inhabern des Gewehres per USB-Stick zugeschickt werden.

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