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HP verkauft TippingPoint an Trend Micro

22.10.2015 | 09:11 Uhr |

Der japanische Antivirushersteller Trend Micro hat die Übernahme der HP-Tochter TippingPoint offiziell verkündet. TippingPoint und seine Zero Day Initiative (ZDI) waren wichtige Sponsoren des Hacker-Wettbewerbs Pwn2Own.

Gerüchte, Hewlett-Packard (HP) wolle seine Tochterfirma TippingPoint verkaufen, gibt es schon seit einiger Zeit. Jetzt hat das japanische Sicherheitsunternehmen Trend Micro offiziell verkündet, dass es TippingPoint übernehmen werde. Der Kaufpreis beträgt nach Angaben des Unternehmens etwa 300 Millionen US-Dollar. Der Handel soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, sofern es keine Einwände der Regulierungsbehörden gibt.

HP hatte im Jahr 2010 den Netzwerkausrüster 3Com für etwa 2,7 Milliarden Dollar übernommen und damit auch dessen Tochter TippingPoint. HP will sich ab 1. November in zwei unabhängige Unternehmen aufspalten. HP Enterprise soll Geschäftsbereiche wie Netzwerke, Speicherlösungen, Big Data, Cloud-Dienste und IT-Sicherheit weiterführen, während HP Inc. PCs und Drucker verkaufen wird. HP Enterprise wird in Zukunft ein wichtiger Kunde und strategischer Partner für Trend Micro / TippingPoint sein. HP habe sich zum Verkauf entschlossen, weil man so in anderen Bereichen der IT-Sicherheit investieren könne, heißt es aus dem HP-Management. Sicherheit sei und bleibe ein wichtiger Teil des Portfolios.

Trend Micro ist bereits seit 2014 ein wichtiger Partner für TippingPoint und so erscheint das japanische Unternehmen als logische Wahl für die Übernahme dieser Unternehmenssparte. Für Trend Micro ist TippingPoint eine willkommene Ergänzung des eigenen Portfolios. Das Unternehmen um CEO Eva Chen und CTO Raimund Genes stärkt damit seine gute Position im Geschäft mit großen Unternehmen.

Trend Micro will bisherige Ressourcen und die Neuerwerbung in einem neuen Geschäftsbereich „Network Defense” zusammenfassen. Damit soll großen Unternehmen ein umfassender Schutz ihrer Netzwerke aus einer Hand geboten werden. Ein mehrstufiger Ansatz soll auch ausgefeilten Angriffen standhalten, die mit Perimeterschutz allein nicht abgewehrt werden könnten. Auch nach einem Eindringen in das interne Netz können die Aktivitäten der Angreifer analysiert und der entstehende Schaden eingegrenzt werden.

HP und TippingPoints Zero Day Initiative (ZDI) waren bislang Hauptsponsoren des Hacker-Wettbewerbs Pwn2Own . Wie es damit weitergehen soll, muss die Zukunft zeigen. Die jüngste Ausgabe des Wettbewerbs soll im November in Japan stattfinden – ohne Sponsor TippingPoint. Grund sollen die Exportbestimmungen für Rüstungsgüter nach dem kürzlich geänderten Wassenaar-Abkommen sein, unter die auch Exploits für Sicherheitslücken fallen könnten – die wesentliche Zutat beim Pwn2Own. Es gibt allerdings auch Stimmen, die den Verkauf von TippingPoint als Grund vermuten.

Der jährlich im März im kanadischen Vancouver stattfindende Pwn2Own-Wettbewerb gilt in rechtlicher Hinsicht als eher unproblematisch. Kanadas Umsetzung des Wassenaar-Abkommens bietet klare Rahmenbedingungen, die Rechtslage in Japan ist hingegen sehr unübersichtlich und damit risikobehaftet. Bei der Veranstaltung im Rahmen der PacSecWest-Konferenz am 11. und 12. November in Tokio will Dragos Ruiu, Begründer und Ausrichter des Pwn2Own und der PacSecWest, zunächst alleine weitermachen und einen abgespeckten Wettbewerb veranstalten.

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