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HDTV gestartet - und kaum einer kann es sehen

Stellen Sie sich vor, HDTV startet in Deutschland und kaum einer kann es sehen. Unvorstellbar? Tatsache, denn derzeit sieht die Situation auf Grund fehlender Empfangs-Hardware genau so aus.

Das hochauflösende Fernsehen HDTV hat in Deutschland einen schweren Start wegen fehlender Empfänger. Während Pro Sieben und Sat.1 am Mittwoch als Erste in Deutschland die Übertragung in dem Format mit gestochen scharfer Bildqualität starteten, räumte der Sender zugleich ein, dass auf dem Markt kaum passende Receiver vorhanden sind. Der Abosender Premiere verschob den Start seines HDTV-Angebots um zwei Wochen auf den 3. Dezember. Erst dann werden erste HD-taugliche Receiver für Premiere verfügbar sein.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) drückte auf den Münchner Medientagen den Startknopf für den HDTV-Start bei ProSiebenSat.1. Die beiden Sender werden nun über Satellit parallel zur Standard-Verbreitung auch in HDTV ausgestrahlt. Wegen des Fehlens von Empfangsgeräten sei es mehr ein "symbolischer Start", gab man am Mittwoch auch beim Sender zu.

Premiere teilte mit, die Lieferung von Decoder-Chipsätzen habe die Produktion der Empfänger verzögert. Die erste Sendung werde nun die Bundesliga-Partie VfB Stuttgart gegen FC Bayern München sein.

HDTV liefert dank einer deutlich höheren Anzahl von Bildpunkten ein schärferes Bild. Für den Empfang sind spezielle Receiver und passende Fernsehgeräte notwendig. Bei Pro Sieben und Sat.1 wird ein Großteil der Sendungen vorerst auf HD-Qualität hochgerechnet werden müssen, da sie nicht in hoher Auflösung produziert werden. Dabei soll die Qualität nach Auskunft des Senders nur geringfügig unter der von Original-HD-Material liegen. Premiere will auf seinen drei Bezahlkanälen nur in HD (High Definition) erstellte Sendungen zeigen.

ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch hofft, dass sich der Standard rasch durchsetzt. "HDTV macht das Fernsehbild deutlich besser." Es sei erfreulich, dass die Europapremiere in Deutschland gelungen sei. "Das zeigt, dass der deutsche TV-Markt nicht nur einer der wettbewerbsintensivsten, sondern auch einer der innovativsten der Welt ist." Nach Einschätzung von Branchenexperten könnte es noch einige Monate dauern, bis die Hardware-Hersteller in ausreichender Stückzahl HDTV-taugliche Empfänger in den Markt bringen. Das Problem ist dabei vor allem der neue Standard DVB-S2. Bei ProSiebenSat.1 hieß es, man hoffe, dass mit dem Start der Übertragung der Druck auf die Gerätehersteller zunehmen werde.

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