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HD-TV über Antenne: Testbetrieb von DVB-T2

13.03.2015 | 14:42 Uhr |

Bisher gab es HD-Fernsehen nur über Kabel, Satellit und Internet. Im Sommer startet der WDR den Testbetrieb von DVB-T2 für den digitalen Empfang über Antenne in Nordrhein-Westfalen.

Digitales „Überallfernsehen“ über Antenne ist pixelig, DVB-T erreicht keineswegs die Bandbreite der in Deutschland sonst üblichen HD-Auflösung von 1.280 × 720 Bildpunkten (720p). Das ändert sich in den nächsten Jahren mit dem Nachfolgestandard DVB-T2.
Nachdem in Berlin Ende 2014 ein erstes Pilotprojekt für den Empfang von ARD und ZDF über DVB-T2 in Betrieb ging, will der WDR im Raum Köln/Bonn im Sommer einen größeren Testbetrieb aufnehmen. Ab August sollen dort die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ihre Programme unverschlüsselt ausstrahlen, ob oder wann die Privatsender nachziehen, ist noch offen.

Ebenfalls steht noch nicht fest, mit welcher Auflösung welche Sender ihre Inhalte später im Regelbetrieb über den Äther schicken, 720p werden es in jedem Fall sein. Technisch ist sogar die Übertragung von Ultra-HD-Signalen bis zu 8K (7.680 x 4.320 Pixel) möglich.

Achtung: DVB-T2 erfordert neue Receiver oder TV-Geräte

Um in den Genuss der hoch aufgelösten Fernsehbilder zu kommen, benötigt man in jedem Fall ein neues Empfangsgerät. Die bisherigen DVB-T-Empfänger, -Sticks oder -Receiver funktionieren nicht mehr. Der Grund: Statt des bisherigen MPEG-Codecs wird bei DVB-T2 künftig das High Efficiency Video Coding (HEVC) verwendet, auch bekannt als H.265.

Und genau hier liegt das Problem. Zwar wurden und werden auch jetzt schon Empfänger und Fernseher mit dem Ausstattungs­merkmal „DVB-T2“ verkauft, allerdings lassen sich diese Geräte in Deutschland zukünftig nicht verwenden, wenn sie nur den bisher in anderen Ländern für DVB-T2 verwendeten Kompressions­stan­dard H.264 (MPEG4) unterstützen. Vor dem Kauf eines neuen Gerätes sollte man deshalb unbedingt auf die Unterstützung von H.265 (HEVC) achten – und gegebenenfalls mit der Anschaffung warten.

Versteigerung der Fernsehfrequenzen für schnelles Internet per Funk

Hintergrund des Wechsels auf DVB-T2 ist, dass die bisherigen DVB-T-Sendefrequenzen im 700-MHz-Bereich bis zum Jahr 2018 für die schnelle Internet-Versorgung per Funk verwendet werden sollen. Kürzlich hatte die Bundesregierung beschlossen , die noch für terrestrisches digitales Fernsehen genutzten Frequenzen für den schnellen Internet-Zugang bereitzustellen. Diese sollen im zweiten Quartal versteigert werden, der zuständige Infrastrukturminister Alexander Dobrindt verspricht sich davon einen Milliardenbetrag. Für das erklärte Ziel der Regierung, innerhalb von drei Jahren flächendeckend 50 MBit/s zu gewährleisten, müssen Schätzungen zufolge rund 20 Milliarden Euro investiert werden.

Die reguläre Umstellung auf DVB-T2 jenseits der Testgebiete beginnt 2016 zunächst in den großen Ballungsräumen, 2017 soll der Regelbetrieb laufen, bis dann ein Jahr später die Abschaltung von DVB-T erfolgen wird.

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