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Pyrrhussieg für Blu-ray?

25.02.2008 | 16:47 Uhr |

Die Frage um das DVD-Nachfolgeformat ist geklärt, Blu-ray heißt der Gewinner. Doch Experten warnen, dass Blu-ray lediglich einen Pyrrhussieg erreicht hat, neue Herausforderungen stehen schon bevor.

Nach der Kapitulation des HD-DVD-Lagers könnte sich die Blu-ray-Fraktion eigentlich ein wenig zurück lehnen und in Ruhe an der Etablierung des neuen HD-Standardformats arbeiten - möchte man jedenfalls meinen. Doch die hinter Blu-ray stehenden Unternehmen müssen aufpassen, dass sie nicht von der technischen Entwicklung überholt werden, die physikalische Medien überflüssig machen.

Eine solche Entwicklung ist beispielsweise der zunehmende Vertrieb von Filmen über das Internet. Was vor wenigen Jahren auf Grund der geringen Bandbreiten für den Großteil der Anwender utopisch war, ist in vielen Haushalten heute Realität: Da werden (auch legal) mehrere GB große Filme in relativ kurzer Zeit auf den PC geladen und angesehen. Immer mehr Anbieter drängen sich in letzter Zeit auf diesem Markt, Beispiele wären der Xbox Live Video Marktplatz, Videobuster, Maxdome, In2movies und viele mehr. Noch ist das Angebot allerdings in den meisten Fällen überschaubar, die Verleihpreise sind in der Regel zu hoch und nicht jeder in Deutschland verfügt über eine Internet-Leitung im zweistelligen Mbit/s-Bereich.

Doch auch hier schreitet die Entwicklung voran und man muss kein Prophet sein, um voraussagen zu können, dass der Filmverleih und /-Kauf mittelfristig gewaltig boomen wird. Dies könnte letztlich dafür sorgen, dass ein physikalisches Medium wie die Blul-ray in Zukunft eine nur noch untergeordnete Rolle spielen wird. Eine Lebensdauer von 12 Jahren, wie sie die DVD mittlerweile auf dem Buckel hat, dürfte die Blu-ray wahrscheinlich kaum erreichen - und wenn, dann nur als Alternativ-Produkt für Anwender, die nicht die Möglichkeiten eines Hochgeschwindigkeits-Internetzugangs haben oder wollen.

Damit dürfte auch die Zeit der Sammler sich langsam dem Ende zuneigen. Viele Anwender wollen Filme zwar in der bestmöglichen Qualität sehen, aber in der Regel eben nur einmal. Hier bietet sich somit das Verleihmodell per Internet als ideale Möglichkeit an, schnell und bequem einen bestimmten Film abzurufen. Und mittels eines Home Servers wäre es auch möglich, gekaufte Filme wie in einer DVD-Bibliothek zu sammeln und an jedem PC/TV im Haus anzusehen.

Doch noch ist nicht das letzte Wort gesprochen, denn beide Möglichkeiten, an HD-Filme zu kommen, kranken noch in einigen Punkten. Bei Blu-ray ist es in erster Linie der Preis. Die Filme kosten schlicht und ergreifend noch zu viel. Zusatzmaterial hin oder her, DVD-Player mit internem Upscaler liefern für viele Anwender ein mehr als ausreichendes Bild - Blu-ray ist für diese Gruppe keine Option. Um sich zu etablieren müssen also nun in erster Linie die Preise für Player und Medien nach unten korrigiert werden, und zwar schnell.

Auf der anderen Seite sind Video-Downloads noch nicht am Massenmarkt angekommen. Zum einen fehlt es an flächendeckenden Internetzugängen mit den nötigen Geschwindigkeiten und zum anderen an einem attraktiven Preismodell. Denn noch liegen die Film-Preise bei Video-Portalen nicht im Bereich "Das lad ich mir doch schnell mal runter", sondern sind unter Umständen sogar höher, als die DVD in einschlägigen Online-Shops kostet.

Die Frage, ob physikalische Medien in Zukunft noch eine Rolle spielen entscheidet sich also in erster Linie daran, welches Lager schneller in der Lage ist, dem Anwender ein allumfassendes, kostengünstiges Paket zu schnüren. Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht.

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